LoRa-Meshtastic Reichweitentest über 2, 2.5 und 3 km


Heute geht es um meinen Reichweitentest am 18. Sept. 2025, in dem meine Meshtastic-Geräte gegeneinander in Sachen Empfang antreten.

Wer sich an dieser Stelle fragt, was Meshtastic überhaupt ist: darüber habe ich einen eigenen Artikel geschrieben. Nur ganz kurz und viel zu vereinfacht in einem Satz zusammengefasst: Meshtastic ist wie WhatsApp, nur ohne Internet oder Mobilfunk.

Die Nachrichten können nicht nur an ein anderes Gerät im direkten Sendebereich gefunkt werden, sondern es bilden alle Meshtastic-Geräte - auch Nodes genannt - ein Netz (Mesh) und leiten Nachrichten für- und untereinander weiter.

Es reicht also schon, dass man eine einzige andere Node im Sendebereich hat, die die Nachricht annimmt und weiter in die Ferne funkt. Dies nennt man einen Hop. Defaultmäßig sind 3 Hops eingestellt, also 3 Weiterleitungen bzw. Zwischenstationen (insgesamt 5 beteiligte Geräte), dann muss die Nachricht angekommen sein. Diesen Wert kann man auch bis zu 7 erhöhen. Das ist allerdings nicht gerne gesehen für unwichtige und Testnachrichten, denn es belastet das Mesh, da die Endgeräte bei jedem Hop mehr werden.

Eine gute Empfangs- und Sendeleistung, sprich Empfindlichkeit ist also wünschenswert, damit man möglichst immer eine andere Node im Mesh erreicht, um zu kommunizieren.

Um herauszufinden, wie sich meine Meshtastic-Geräte so im Vergleich schlagen, habe ich folgenden Versuchsaufbau.

Mein Versuchsaufbau / Standorte



Ich stelle alle meine zu testenden Geräte nebeneinander ins Fenster, das ziemlich genau nach Westen ausgerichtet ist.

Für diesen Aufbau benutze ich die Geräte im Auslieferungszustand mit den mitgelieferten Antennen, seien es kurze oder lange, Helix oder gerade.

Bei Home stehen: Mit auf die Reise nehme ich:

Dann habe ich mir drei topologisch sinnvolle Orte ausgesucht in Richtung West Südwest bis Südwest ausgesucht: zwei, zweieinhalb und drei Kilometer entfernt. Auf der Karte oben sieht man ein wenig die Hügel in der Umgebung. Home selbst liegt auf 342 hm, die Destinationen auf ca. 342-351 m. Dazwischen liegt ein Tal.

OrtKoordinatenHöheEntf.Hindernisse in Sichtlinie zum Ziel auf 343 m
A. Bank49.440199°, 10.910305°342 hm2.0 kmAllee, Wäldchen, Felder, ca. 500 m Bebauung Einfamilienhäuser
B. Feld-Hügel49.442533°, 10.915760°351 hm2.56 kmauf Hügel, Felder, ca. 500 m Bebauung Einfamilienhäuser
C. Feuerwehrhaus49.445737°, 10.922086°350 hm3.02 kmauf Hügel, ca. 200 m Bebauung Einfamilienhäuser Felder, ca. 500 m Bebauung Einfamilienhäuser


Die Häuser, die jeweils im Weg stehen, kann man auf dieser Topografischen Karte besser erkennen:



Ein paar Hindernisse stehen also schon im Weg, auch wenn Home und die Test-Orte ein wenig erhöht sind. Es ist also keine reine Luftlinie, sondern eher eine Luftlinie mit Hindernissen: Autos, Häuser, Bäume. Mit den drei hier vorgestellten Karten lässt sich aber ganz gut erkennen, was da den Weg kreuzt.

Oben in der Tabelle stehen aber auch die Koordinaten, so dass jeder noch einmal über das Gelände auf seinen bevorzugten Karten kundig machen kann.

Testbedingungen

Gesendet wurde mit dem LilyGo T-Deck plus (QUL0) von den Standorten zu Home. Das Wetter war sonnig und klar. Die Geräte wurde jeweils auf Augenhöhe gehalten mit der Rückseite in Richtung Home gehalten.

Testergebnisse 2025-09-18

OrtEntf.QUL1QUL2QUL3QUL5QUL6
T-EchoM1 3€ 20cm Ant.M1 org. Ant.Card T1000-EWio L1 Pro
A. Bank2.0 km-103, 3.0--119, -9.5-106, 2.0-122, -13.2
B. Feld-Hügel2.56 km-128, -20---109, -6.00-
C. Feuerwehrhaus3.02 km-115, -4.0---109, -5.75-
*RSSI (dBm), SNR (dB)

Sehr überraschend schlägt sich die Mini-Antenne im Seeed Card Tracker T1000-E erstaunlich gut, ja im Durchschnitt bringt es sogar die beste Leistung. Das hätte ich dem kleinen Antennchen niemals zugetraut.

Und noch eine kleinere Überraschung: die auf QUL3 geschraubte ca. 20 cm lange Antenne (3€ bei AliExpress) ist schlechter als die kleine Original-Stummelantenne des Elecrow Thinknode M1 (QUL2). Beides stand nebeneinander im Fenster, nur QUL2 mit Originalantenne empfing; die längere Antenne versagte und war schlechter. Nun habe ich wieder die Original-Antenne drauf geschraubt.

QUL6, also das Seeed Wio L1 Pro schaffte nur die 2 km, gerade so bei einem RSSI von -122. Mehr war nicht drin. QUL1 (LilyGo T-Echo) und QUL5 (Seeed T1000-E) schaffte aber auch die 2.5 und die 3 Kilometer. Im Grenzbereich war die Mini-Antenne des Card Trackers sogar besser als das T-Echo.

Dass der winzige Card-Tracker mehr drauf hat, als man ihm ansieht, zeigt auch der Test mit dem Elecrow Crowpanel 3.5" (QUL4), der nur über eine kleine Antenne verfügt (siehe Review). Hier schaffte es als einziges der Card-Tracker zu empfangen. Die RSSI war bei der Card zwar auch schon schlecht bei -119, aber es gab noch eine Verbindung. Auch der bisherige Empfangsmeister, das T-Echo musste sich hier geschlagen geben und den Sieg dem Winzling überlassen.

Testergebnisse 2025-11-04


Wetterbedingungen: sonnig, teilbedeckter Himmel mit Schleierwolken, 13°C, trocken, Regen vor zwei Tagen.

OrtEntf. QUL1 QUL2 QUL5 QUL6 QUL7
T-EchoM1 org. Ant. Card T1000-EWio L1 Pro RAK-Tag
A. Bank2.0 km -104, 1.2-118, -20.8 -99, 3.5 - -
B. Feld-Hügel2.56 km -119, -15.2-114 -12.2-114, -7.5 -121, -17.5-
C. Feuerwehrhaus3.02 km-112, -4.5- -111, -3.2 - -121, -12.0
*RSSI (dBm), SNR (dB)

Der neu ins Feld geführte RAK-Tag (QUL7) wird komischerweise erst bei 3 km sichtbar, bleibt aber bei 2 und 2.5 km unsichtbar. Was seltsam ist. Aber auch der L1 Pro bleibt bei 2 km unsichtbar. Das mag vielleicht daran liegen, dass auf der 2 km-Strecke mehr Bäume im Weg standen und deren Blätter noch feucht durch den Regen der letzten Tage waren und dass das vielleicht blockiert hat.

Der Seeed T1000e allerdings war stets empfangbar und bleibt damit Empfangs-Testsieger. Aber auch der LilyGo T-Echo zeigt wieder einen soliden Empfang.

Ich sollte auch mal im laublosen Winter einen Reichweitentest über diese topografischen Punkte machen, um das zu testen.

Fazit

Antennentechnik ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Das interne 2.5 cm - Antennchen des Card Tracker T1000-E schlägt alle, obwohl ich sie gefühlsmäßig eher hinten eingeschätzt hätte. Aber das länger nicht immer besser bedeutet, zeigt auch die 20 cm "Billig"-Antenne auf dem Thinknode M1: damit ist der Empfang schlechter als mit der mitgelieferten 5 cm Stummelantenne.

Ja, Antennentechnik und die Abstimmung von Antennen ist eine Wissenschaft für sich - oder soll ich sagen: Hexenwerk?

Nachtrag 2025-11-05

Als Nachzügler ist der WisMesh Tag von RAKwireless aus China bei mir angekommen, den ich natürlich auch einem Reichweitentest unterzogen habe. Die Werte habe ich nachgetragen.

Nachtrag 2025-12-08 und Testergebnisse T-Echo Plus


Neu dazugekommen ist das neu als QUL8 herausgekommene T-Echo Plus, im Prinzip ein "dickeres" T-Echo mit größerem Akku, Buzzer, Vibrationsmotor und wasserabweisenden Design. Außerdem hat das T-Echo Plus eine längere (aber dünnere) Antenne als das T-Echo, nämlich dieselbe Antenne wie das T-Desk Plus, welches auch wieder in diesem Test zur Anwendung als Sender kommt. Wird es eine bessere Verbindung zwischen den beiden geben, weil sie die gleiche Antenne haben?

Der Test wird wieder an den selben Orten durchgeführt, wieder am Nachmittag. Die Wetterbedingungen diesmal sind: stark bedeckter Himmel, 13°C, feuchte Straßen und Bäume etc. vom Regen von vor einem Tag und es sieht wieder nach Regen aus.

OrtEntf. QUL1 QUL2 QUL5 QUL6 QUL7 QUL8
T-EchoM1 org. Ant. Card T1000-EWio L1 Pro RAK-Tag T-Echo Plus
A. Bank2.0 km -106, -2.0-128, -19.2-101, -2.5 -87, 6.0 -103, 3.5-122, -14
B. Feld-Hügel2.56 km -113, -13.2-114 -13.5-113, -13.2 - -106, -7.0-108, -7.5
C. Feuerwehrhaus3.02 km-118, -18.5- -116, -1.5 - -106, -7.0-119, -19.2
*RSSI (dBm), SNR (dB)

Das T-Echo Plus verglichen mit dem T-Echo ist bei 2 km bei der Empfangsempfindlichkeit etwas schlechter (RSSI -122 statt -106), dafür bei der Topografie bei Punkt B. bei 2.5 km wieder besser (RSSI -108 statt -113). Bei Ort C. bei 3 km nehmen sich die beiden Geräte nichts (RSSI -119 und -118). Ich wurde also sagen, dass beide Geräte beim Empfang etwa gleich auf sind, wobei die eine Antenne bei der einen und die andere Antenne bei der anderen Topografie punkten kann.

Interessant ist auch ein Vergleich der beiden kreditkartengroßen Geräte, dem Seeed T-1000E (QUL5) und dem RAKwireless Tag (QUL7). Beim letzten Test am 4. November bei sonnigen Wetter schwächelte das RAK-Tag etwas und tauchte erst bei der 3 km-Marke auf, und das T1000E lag überall vorne. Heute bei feuchter Umgebung schlägt sich das RAK-Tag besser und ist an allen drei Messpunkte empfangbar. Die Antenne des RAK-Tag scheint auf weitere Entfernungen ausgelegt zu sein und bei nicht so großen Entfernungen ein wenig zu schwächeln.

Vielleicht hatte ich letztes Mal auch nicht lang genug auf ein Signal gewartet. Diesmal habe ich die Geräte schon zuhause durch eine Message in meiner Node-Liste gebracht und vor Ort noch einmal eine Nachricht explizit an die Geräte gesendet, die nicht von alleine in der Node-Liste der Direktkontakte (Hop-Count 0) aufgetaucht sind, um sicher zu gehen, dass es nicht etwa an der Firmware liegt, die sich seltener meldet.

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Die große LoRa-Meshtastic Gerätevergleichstabelle stellt alle Kerndaten der unterschiedlichen Geräte übersichtlich gegenüber. Dort findet jeder das richtige Meshtastic Gerät für sich.



Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links