Impressionen, News und Highlights von der Embedded World Messe 2026


Dieses Jahr scheint die Messe Nürnberg schon ein bisschen Pech zu haben mit ihren Messeveranstaltungen. Erst der Streik der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe bei der IWA (Mein Messebericht dazu hier) und nun bei der Embedded World am ersten Tag Sperrung der Münchner Straße im Norden und der U1 wegen einer Fliegerbombe in der Nähe. Zwischen neun und elf Uhr morgens war Entschärfung und das Gebiet rund um die Bombe musste evakuiert werden.

Ich kam mit dem Auto vom Süden über die A73 und außer ein bisschen Stau vor der Messe und der U-Bahn-Haltestelle Bauernfeindstraße gab es keine großen Beeinträchtigungen für mich.

Das Ziel meines Messebesuches war, ein paar chinesische Herstellerfirmen, die man über e-mail kennt, mal persönlich kennenzulernen und an deren Ständen vorbeizuschauen. Und zu schauen, was es Neues in Sachen Mikrocontroller und Elektronik für Maker und Hobbybastler gibt. Und ansonsten einfach unvoreingenommen über die Messe zu schlendern und zu schauen, was es Neues Interessantes gibt.


So bin ich zum Beispiel über das Großformat-E-Ink-Display der Firma Beck Elektronik aus Nürnberg gestolpert, das mich sehr beeindruckt hat. Das ist ein ePaper-Display in der Größe von Plakatwerbung für Bushaltestellen und das in Farbe. Die Bilder können recht schnell neu gezeichnet werden und das ohne störendes Flackern.

Vor zwei Jahren habe ich mir mal ein Dreifarbiges (schwarz, weiß, rot) EPaper Display mit 2.9 Zoll an einem ESP8266 angeschaut und damit experimentiert. Bei jedem Update flackert das Display erst einmal für 10 Sekunden.

Und hier: ein riesiges Display mit - man kann fast schon sagen - natürlicher Farbwiedergabe und einer Aktualisierung ganz ohne Flackern. Natürlich ist das ausgestellte Display mehr eine Machbarkeitsstudie - praktisch wird es noch zu teuer sein... ich schätze der Preis würde fünfstellig sein. Aber es zeigt doch, wie schnell hier die Entwicklung voran geht. Vielleicht sind wir in 10 Jahren wirklich soweit, dass solche Displays bezahlbar sind und die Verkehrsbetriebe und andere sie für Werbung an Haltestellen und woanders einsetzen. Stromsparend sind sie auf alle Fälle. Auch sie verbrauchen - wie alle ePaper-Display - nur Strom, wenn der Bildinhalt geändert wird. Also ideal für Werbefläche oder auch Fahrpläne, die dann per Funk aktualisiert werden können, ohne sie austauschen zu müssen. Oder für den Menüplan bei der Fast Food Kette oder in der Kantine.

Meshtastic und LoRa-WAN


Bei Elecrow, die ich besonders für ihre Display, Education Kits und Meshtastic-Geräte (hier mein Vergleich von Meshtastic Geräten mehrerer Hersteller) schätze, konnte ich mir die neue ThinkNodes M3 und M4 einmal anschauen.

Die M3 Tracker Card ordnet sich von Größe und Preis in die Reihe der Card-Tracker wie dem Seeed Studio SenseCap T1000-E und dem RAK wireless WisMesh Tag ein. Siehe auch meine große Vergleichstabelle von Meshtastic Geräten.

Und das Thinknode M4 inkludiert neben dem Meshtastic-Gerät auch gleich eine Powerbank, mit der man zur Not sein Smartphone aufladen kann.

Ich muss mal bei Elecrow nachfragen, ob sie mir nicht wieder ein Review-Exemplar zur Verfügung stellen möchten, damit ich mir die beiden neuen Kandidaten für euch mal näher anschauen kann.


Und dann kam diese Tage eine Umfrage bei mir von Elecrow rein, was ich denn für Wünsche für ein neues Gerät hätte, das in Planung ist.

Dies wird dann wohl ThinkNode M9 heißen und es gibt erst einen früher Prototypen davon, den ich mir kurz auf dem Stand anschauen durfte.

Es ist noch nicht klar, ob das Gerät am Ende genau so oder doch ganz anders aussehen wird, aber klar ist, dass es in der Kategorie Handheld-Meshtastic-Gerät mit Tastatur wie das LilyGo T-Deck spielen wird.

Meinen Vorschlag, vielleicht eine Option für eine externe Antenne anzubieten, bin ich dann auch gleich beim CEO losgeworden. Überhaupt ist das gesamte Elecrow-Team sehr freundlich und herzlich gewesen - viele liebe Grüße an dieser Stelle!

Am Stand von RAK wireless habe ich später auch vorbeigeschaut. Dort gab es im Consumer Bereich eine neue, länglich-ovale Node zu sehen, die wohl so neu ist, dass ich sie noch nicht auf der Shopseite von RAK wireless finden konnte. Das "Ei" hat eine Silikon-Hülle und liegt sehr gut in der Hand. Was aber vielleicht nicht so wichtig ist, denn es hat kein Display - es in die Hand zu nehmen ist also nicht so wichtig.

So bleibt das WisMesh Tag von RAK wireless wohl deren wichtigstes Meshtastic-Consumer-Produkt. Beeindruckend am RAK wireless-Stand waren aber die Geräte für den professionellen Bereich - da gab es ein paar große Geräte für LoRa-WAN zu sehen.

Am Stand von Elecrow habe ich dann auch Thomas von Meshtastic Solutions kennenlernen dürfen, wie man sich halt so über den Weg läuft. Bei Meshtastic Solutions sind die Jungs, die Firmware für die Meshtastic Geräte entwickeln, die man unter Meshtastic.org herunterladen kann.

Wir haben dann gleich einen ausführlichen Plausch gehalten und unsere Erfahrungen ausgetauscht. Das war ein sehr interessantes Gespräch, welches wir dann später am Meshtastic-Stand vertieft haben. Dort habe ich auch ein paar Entwickler kennengelernt und noch so einiges über Meshtastic gelernt. Danke dafür und viele liebe Grüße an das gesamte Meshtastic-Team!

Der Meshtastic Stand war dann auch die einzige Vertretung für LilyGo, die leider keinen eigenständigen Stand auf der Messe, denn ich hätte die Truppe gerne mal persönlich kennengelernt. Aber wenigstens gab es einige LilyGo-Meshtastic-Geräte am Meshtastic Stand für das Publikum zu sehen.

Mikrocontroller


Und natürlich gab es auch reichlich zu sehen an Mikrocontrollern und Development-Boards, die ich noch nicht kannte.

Bei Espressif zum Beispiel konnte ich die neuen ESP32-H21, ESP32-H4 und den superneuen ESP32-E22 anschauen. Letzterer ist so neu, dass noch nicht mal alle Specs bekannt sind. Ich habe ja eine große Vergleichs-Tabelle mit den Chip-Familien von Espressif, so dass man schnell den richtigen Mikrocontroller für seine Bedürfnisse findet. Und die habe ich natürlich aktualisiert. Folgt dem Link für News über Espressif von der Embedded World 2026.

Gleich mit am Stand von Espressif war auch M5Stack vertreten. Die bieten viele, kleine und gut durchdachte Module an, wovon man manchen übereinander stecken kann (darum auch "Stack"). Ich hatte mich vor rund dreieinhalb Jahren mal mit deren M5Stack Atom Lite mit TFCard, Krypto-Modul und OLED beschäftigt und herausgekommen war ein sehr kompaktes Gerät zur Erzeugung und Speicherung von Zufallszahlen für kryptografische Zwecke. Aber auch deren - für mich neuen - Nano-Computer "Cardputer Adv" scheint ein sehr interessantes Projekt zu sein, dass ich mir irgendwann mal genauer anschauen muss.

Seeed Studio kenne ich nicht nur von Ihrem tollen Meshtastic Tracker SenseCap T1000-E oder deren 8-Channel LoRaWAN-Gateway, sondern ich beschäftige mich gerade auch näher mit deren XIAO-Plattform. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: kleine DevBoards mit unterschiedlichen MCUs, die miteinander weitgehend Pin-kompatibel und damit austauschbar sind.

Zudem sind die XIAO-Module aufeinander steckbar und damit kompakt kombinierbar. Einen XIAO nRF5280 auf einen LoRa-XIAO und einen GPS-XIAO-Board gesteckt und schon ist die ultrakompakte Meshtastic-Node fertig. Da kommt auf jeden Fall noch mehr von mir in nächster Zeit zur XIAO-Plattform!


Rund um den Raspberry Pi Stand gab es viele Anwendungsfälle für deren Mikrocontroller und Einplatinencomputer zu sehen. Von den Einplatinencomputer bin ich persönlich ein wenig weg gekommen, die Preise sind doch stark gestiegen und haben meiner Meinung nach den Bastlerbereich ein bisschen verlassen. Nach wie vor kann ich aber den Raspberry Pi 2 empfehlen, der hat nach wie vor ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis.

Bei Raspberry Pi geht es bei mir mehr in Richtung der Pico-Familie, also der Mikrocontroller. Diese sind günstig, hervorragend verarbeitet und haben einen großer Software-Unterstützung und Community. Mit dem Raspberry Pi Pi mit RP2024 habe ich ja schon einiges angestellt, zum Beispiel verwende ich diesen in meinem Projekt HID-Master, einem Tastatur/Maus/GamePad/Scrollrad-Emulator mit CircuitPython, den ich an meinem PC angeschlossen habe und den ich täglich verwende. Er tut seinen Dienst klaglos seit Jahren.

Auf der EW2026 konnte ich mich über die Vorzüge des RP2350, dem Nachfolger des RP2040 beraten lassen. Ich glaube, da muss ich mir bei Gelegenheit mal einen holen und den ausgiebig testen.

Bei Bosch habe ich auch vorbeigeschaut. Die sind ja für ihre Sensoren bekannt, die ich gerne in meinen Projekten einsetze, so zum Beispiel zuletzt als Umwelt-Telemetrie-Sensor an meinem T-Echo Plus Meshtastic Gerät.
Inzwischen gibt es einen BME690 mit verbesserter Gas-Unterscheidung und einen superkleinen, lüfterlosen Feinstaub-Sensor. Der Herr am Bosch-Stand war hochkompetent und ehrlich, sprach deutsch und so konnte ich jede Menge zu den Bosch-Sensoren erfahren, die mir vorher nicht so klar waren. Das war ein lehrreiches Gespräch. Das beim BMP280 oder BME280 die über I2C ausgegebene Temperatur nicht die Umgebungstemperatur ist, sondern nur der Kalibrierung des Luftdrucks dient, hatte ich ja bereits gelernt... aber der Kaninchenbau ist ja so viel tiefer, wenn man die Bosch-Sensoren wirklich akkurat und professionell einsetzen will.

Bei Nordic Semiconductor hatte ich auch ein interessantes Gespräch. Ich hatte ja mal mehrere Mikrocontroller-Boards in Sachen Stromverbrauch im Deep Sleep miteinander verglichen und dabei den nRF52840 als Stromsparer kennen- und lieben gelernt.
Aber es geht noch besser mit der neuen nRF54-Familie. Und wenn man dann noch einen Powermanagement-Chip wie zum Beispiel den nPM2100 davor schaltet, kommt man runter bis zu 60 Nanoampere. Mal schauen, wann mein nächsten LowPower-Projekt kommt, bei dem ich das mal ausprobieren werde.
Leider gab es keine Review-Examples am Stand, so dass ich das hätte gleich tun können, man verwies mich auf die bekannten Distributoren. Dann muss das halt ein wenig warten, bis es nötig wird.

Bei Renesas zeigte man sich am letzten Messetag da großzügiger. Ich wurde mit einem DevBoard mit RA0E3 beglückt. Das hat zwar nur 2KB RAM und 16 KB Flash, einen 10-bit ADC, max. 32 MHz und keinen Funk wie WiFi oder BLE, ist dafür aber tolerant von 1.6 bis 5.5 Volt und hat immerhin 17 GPIO-Pins. Auch soll der Verbrauch extrem niedrig sein, so etwa 2.6 mA aktiv und 0.2 µA im Standby. Der spielt also eher in der Arduino / STM32 F103 Liga. Aber der Spannungsbereich und der Stromverbrauch ist für einige Anwendung durchaus interessant. Leider gibt es wohl keine gute Ardunio Library / Platform IO-Unterstützung und man müsste Renesas Eclipse-basiertes e2 Studio benutzen. Mal schauen, wann ich dazu komme, mir das Board näher anzuschauen. Eventuell bleibt das auch liegen, bis ich den Anwendungsfall habe, auf den es maßgeschneidert ist.

Distributoren und Händler


Insgesamt war die Messe riesig. Ich habe gar nicht alles an einem Tag geschafft. In die Hallen 4, 4a und 5 mit den ganzen Distributoren und Herstellern hatte ich nicht mal einen Fuß gesetzt.

Nachdem ich meinen Füßen am Mittwoch einen Tag Ruhe gönnte, ging es am Donnerstag ein zweiten Tag auf die Messe.

DigiKey war diesmal riesig auf der Messe. Man gab sich alle Mühe, dem Publikum zu gefallen: Es gab kostenlosen Kafee, eine Slot-Machine mit Münzen, eine Losmaschine, bei dem es tolle Preise, zum Beispiel einen ziemlich großen Bluetooth-Lautsprecher zu gewinnen gab. Und natürlich die tollen DigiKey-PCB-Ruler. Ruler gab es allerdings an einigen Ständen als Give-Away in allen Längen. Bei DigiKey gab es für Messe-Goodie-Loot-Sammler am meisten abzugreifen, was man an den langen Schlangen sehen konnte, die sich aber erstaunlich schnell abbauten. Da war das Personal wohl extrem auf Zack. Und trotzdem sehr freundlich.
Aber natürlich konnte man sich auch über das Angebot informieren, auch in deutsch. Scheinbar ist die Lage aufgrund der derzeit herrschenden Zoll-Politik der USA nicht ganz so unkompliziert, wenn man als Deutscher China-Produkte aus den USA (wo DigiKey sitzt) bestellt.

Ebenfalls aus den USA kommt Mouser. Manch einer sagt: Mouser ist blau, DigiKey ist rot, viel mehr Unterschiede gibt es nicht. Und auch bei Mouser gab es wohl etwas zu gewinnen und die Schlange war mindestens genau so lang, baute ich aber weniger schnell ab. Ich habe davor verzichtet, mich anzustellen. Aber ich hatte mal etwas bei Mouser bestellt und war überrascht, wie schnell die damals aus den USA nach Deutschland geliefert haben, das waren nur 2 oder 3 Tage.

Jahrmarkt-Feeling kam wieder bei Codico, einem Distributor aus Österreich auf. Jedes Jahr gibt es hier einen neuen selbst gebastelten Wettkampf-Stand, bei dem sich die Besucher in kleinen Spielen miteinander messen können. Das ist immer sehr kreativ und wird von Messe-Hostessen in glitzernden silbernen Kleider präsentiert. Jedes mal eine Show für sich und auf jeden Fall einen Besuch wert.



Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links