Wird LoRa Meshtastic der neue Geocaching-Funkstandard?
Heute möchte ich euch Meshtastic vorstellen und erklären, was es für Geocacher bedeutet beziehungsweise wie Geocacher es nutzen können.Bevor ich darauf eingehe, was Meshtastic überhaupt ist, schauen wir uns kurz an, wie das Thema Kommunikation beim Geocaching bisher gelöst wurde.
Wenn überhaupt, hat man früher ein Handfunkgerät, meist ein PMR-Funkgerät auf 446 MHz, mitgenommen und dort auf Kanal 2 nach anderen Geocachern gerufen.
Das machte allerdings nur Sinn, wenn man mit Freunden unterwegs war. Um gezielt fremde Geocacher in der Umgebung zu finden und mit ihnen Kontakt aufzunehmen, war das kaum geeignet. Klar, man konnte alle paar Minuten auf Kanal 2 nach Geocachern rufen und hoffen, dass zufällig jemand mit Funkgerät zuhört und antwortet. Die Praxis zeigt jedoch: In den allermeisten Fällen meldet sich niemand.
Das liegt vermutlich auch daran, dass wir inzwischen alle ein Smartphone mit Flatrate besitzen und dieses zur Kommunikation nutzen. Ein Funkgerät ergibt heute eigentlich nur noch Sinn in Gegenden ohne Mobilfunkempfang – zum Beispiel in unterirdischen Bunkern, Höhlen oder irgendwo tief im Wald, wo wirklich kein Mobilfunk-Netz vorhanden ist.
Kurz gesagt: Kaum jemand kauft sich noch ein Handfunkgerät nur fürs Geocaching, auch wenn die Geräte mittlerweile sehr günstig sind – einfach nur, um mit anderen Geocachern Kontakt aufzunehmen.
Meshtastic boomt
Lange Zeit war Meshtastic nur etwas für Technik-Interessierte, Funkamateure und Hobby-Elektroniker, die sich ihr eigenes Gerät aus Elektronik-Modulen zusammengelötet haben.Doch inzwischen ist mächtig Schwung in die Sache gekommen: Die Meshtastic-Community wächst. Es gibt fertige, verbraucherfreundliche Geräte zu bezahlbaren Preisen. Immer mehr Menschen entdecken Meshtastic für sich, und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, über diesen Funkstandard gleichgesinnte Geocacher zu finden.
Aber wie funktioniert Meshtastic für Geocacher überhaupt?
Zur technischen Funktionsweise habe ich bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben, den ihr euch gern durchlesen könnt: LoRa Meshtastic - was ist das?.In diesem Blogartikel möchte ich mich jedoch bewusst auf die praktische Anwendung für Geocacher konzentrieren. Es ist nämlich gar nicht mehr nötig, ein Technik-Freak zu sein, um Meshtastic nutzen zu können. Meshtastic ist marktreif geworden.
So sieht sie Nutzung von Meshtastic für Geocacher konkret aus:
Ich besorge mir ein kleines Meshtastic-Handgerät. Davon gibt es viele Varianten – von etwa kreditkartengroß bis hin zu Geräten in der Größe eines klassischen Handfunkgeräts mit eingebauter Tastatur. Dieses Gerät nehme ich einfach mit zum Geocachen. In der Jackentasche oder am Rucksack befestigt.
Fast alle Meshtastic-Geräte haben einen integrierten GPS-Empfänger. Über das Gerät selbst oder über ein per Bluetooth verbundenes Smartphone kann ich sehen, welche anderen Meshtastic-Funkteilnehmer sich in meiner Nähe befinden – inklusive ihrer Position / Geo-Koordinaten, sofern sie diese freigegeben haben, was in der Regel der Fall ist.
Der Clou an der Sache: Meshtastic nutzt LoRa. LoRa steht für Long Range und ist ein Funkstandard, der besonders stromsparend arbeitet und weit kommt. Dafür ist er nicht besonders schnell. Er eignet sich hervorragend zum digitalen Senden kurzer Textnachrichten über große Entfernungen.
Sobald man das Gerät einschaltet, empfängt man automatisch Nachrichten von anderen Nutzern, die sich im Umkreis von einigen Kilometern befinden. Die eigene Meshtastic-Node meldet sich im Mesh an und empfängt die Daten anderer Geräte. Meshtastic ist ein selbstorganisierendes, dezentrales, unabhängiges, lokal begrenztes Netzwerk.
Der Standardkanal in Meshtastic heißt LongRange. Das ist der öffentliche Standardkanal, auf dem sich die meisten Nutzer tummeln. Hier landet jeder Anfänger zuerst. Hier kann man sich mit allen möglichen Leuten aus der Umgebung unterhalten oder einfach eine Testnachricht absetzen, um zu sehen, wer antwortet.
Zusätzlich gibt es eine Node-Liste, in der alle Meshtastic-Geräte angezeigt werden, die sich in der Nähe befinden. Nähe bedeutet dabei nicht nur direkte Funkverbindung, sondern auch Geräte, die über das Mesh-Netzwerk erreicht werden.
Genau daher kommt auch der Name Meshtastic: Alle Geräte in einer Gegend bauen ein Mesh-Netzwerk auf. Wenn ich eine Nachricht absende, kann ich einstellen, wie weit sie weitergeleitet werden soll. Das Maximum liegt bei sieben sogenannten Hops. Die Nachricht wird dann automatisch über bis zu sieben weitere Geräte weitergeleitet.
So kommt man nicht nur auf zwei oder drei Kilometer Reichweite, sondern eher auf 20 bis 30 Kilometer. Das ist ein sehr ordentlicher Sende- und Empfangsbereich – und für Geocaching mehr als ausreichend.
Geocaching-Kanal auf Meshtastic

Neben dem Standardkanal LongRange kann man bei Meshtastic auch eigene Kanäle anlegen. Ich habe in meiner Region zum Beispiel den Kanal Geocaching eingerichtet, mit dem Schlüssel GG==. Das ist sozusagen ein öffentlicher Geocaching-Kanal:
Kanal: Geocaching
Key: gg==
Öffentlich deshalb, weil der Schlüssel (gg==) bekannt ist. Den muss man wissen, sonst kommt man nicht in den Kanal. Schön wäre es, wenn deutschlandweit derselbe Schlüssel verwendet würde. Dann hätte man beim Cachen außerhalb seiner Homezone sofort Anschluss und müsste nicht erst auf dem Kanal LongRange nachfragen, wie der Schlüssel für den Geocaching-Kanal denn lokal lautet. Ich hoffe mal gg== setzt sich durch, ist ja auch einfach zu merken. Beim Geocachen nimmt man also ein Meshtastic-Gerät in der Jackentasche oder am Rucksack mit und schaut regelmäßig in die Node-Liste. Vielleicht erkennt man dort schon den einen oder anderen lokalen Cacher bereits am Namen, oder jemand hat "GC" in seinem Node-Namen stehen. Daran lässt sich oft schon erkennen, dass es sich um einen Geocacher handelt.
Klickt man einen solchen Eintrag an, sieht man anhand der GPS-Koordinaten, wo sich diese Person gerade befindet. Auf dem Smartphone oder dem T-Deck kann man sich auch die entsprechende Karte einblenden lassen. So lässt sich zum Beispiel erkennen, ob jemand bereits bei einem Multi unterwegs ist oder – genau wie man selbst – noch am Startpunkt steht.
Sieht man das, kann man denjenigen direkt per Direktnachricht anschreiben und fragen, ob er Lust hat, gemeinsam weiterzumachen. Oder was er gerade tut. Oder, falls er schon weiter ist und man selbst an einer Station festhängt, ob er vielleicht kurz helfen kann.
Oder er ist bereits im Kanal Geocaching aktiv. Dahin sollte der erste Blick gehen. Nach ein paar Minuten sieht man dann schon anhand eingehender Nachrichten, ob Geocacher in der Gegend aktiv sind und um was es geht.
Alternativ kann man auch einfach eine Nachricht im Kanal Geocaching posten - nur keine falsche Schüchternheit. Diese Nachricht empfangen alle, die diesen Kanal eingerichtet haben – also andere Geocacher. Befindet sich ein entsprechendes Gerät in der Nähe, wird man in der Regel auch eine Antwort bekommen. Denn die Geräte geben normalerweise einen Ton von sich, wenn eine Nachricht eingeht. Danach kann man chatten, sich verabreden und so weiter.
Vorteile von Meshtastic
gegenüber Sprechfunk:- Man sieht vorab, welche Personen sich in der Gegend befinden, und muss nicht erst peinlich ins Leere rufen: „Ist da wer?“
- Man sieht Name und Koordinaten der Personen in der Umgebung und weiß genau, wer sich wo aufhält.
- Man kann allgemein mit allen Leuten im LongRange-Kanal kommunizieren oder gezielt im Geocaching-Kanal nach Geocachern suchen.
- Die Kommunikation erfolgt über Textnachrichten, ähnlich wie in einem Chat. Diese lassen sich später problemlos nachlesen. Wenn einem jemand zum Beispiel Koordinaten diktiert, hat man sie direkt als Text vorliegen und kann sie ins GPS-Gerät oder per Copy-and-Paste in die Geocaching-App übernehmen – ganz ohne Zettelwirtschaft.
- Man kann geschlossene Benutzergruppen mit eigenem Passwort anlegen. Alle Nachrichten sind verschlüsselt, und nur wer den Schlüssel kennt, kann mitlesen. Vertraulichkeit ist also gewährleistet.
gegenüber Mobilfunk:
- Funktioniert mit einem eigenen Funkstandard und benötigt weder Mobilfunk noch Internet
- Funktioniert auch in abgelegenen Gegenden, in unterirdischen Bauwerken und in Höhlen
- Ist kostenlos. Okay, die meisten haben inzwischen eine Flat - aber falls nicht: ein Vorteil.
Was kostet ein Meshtastic-Gerät?
Meshtastic-Geräte kosten in der Regel zwischen 40 und 100 Euro. Bereits die günstigen Modelle um 40 Euro bieten alles, was man für den Einstieg braucht.Noch günstiger wird es, wenn man sich ein Meshtastic-Gerät selbst zusammenlötet. Dann hat man allerdings nur die nackten Platinen und benötigt zusätzlich ein Gehäuse. Das könnte man aus dem eigenen 3D-Drucker lassen. Angesichts der fertigen Gerätepreise lohnt sich das meist nur für Bastler, die Spaß am Do It Yourself haben.
Weiterlesen...
In einem anderen Artikel habe ich euch einen Vergleich verschiedener Meshtastic-Geräte zusammengestellt, den ihr euch unbedingt anschauen solltet, um das passende Modell zu finden: LoRa-Meshtastic Gerätevergleich: Die große Vergleichstabelle. Dort sind auch meine Reviews (Bewertungen) zu den einzelnen Geräten verlinkt. die sehr genau auf die Einzelheiten und Unterschiede eingehen. Noch ist nicht jedes Gerät perfekt. Man sollte sich auf jeden Fall vorher informieren, bevor man ein Gerät kauft, dass nicht ideal für einen ist.Und wer sich für die technischen Hintergründe von Meshtastic interessiert: Auch dazu habe ich bereits einen eigenen Beitrag geschrieben: LoRa Meshtastic - was ist das?
Wie weit man mit einer Meshtastic-Direktverbindung kommt - also ohne das Mesh und Hops zu nutzen, zeigt mein LoRa-Meshtastic Reichweitentest im Sept. 2025 über 2, 2.5 und 3 km
Technisch noch tiefer über das LoRa-Funkprotokoll geht mein Artikel LoRaWAN-Kommunikation mit dem LR1262 Dev.-Board (RP2040) und einem Single-Channel Gateway. Der bezieht sich zwar eher auf LoRaWAN, aber auch dort liegt LoRa zugrunde.
Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links
- LoRa-Meshtastic Gerätevergleich: Die große Vergleichstabelle
- LoRa Meshtastic - was ist das?
- LoRa-Meshtastic Reichweitentest im Sept. 2025 über 2, 2.5 und 3 km
- LoRaWAN-Kommunikation mit dem LR1262 Dev.-Board (RP2040) und einem Single-Channel Gateway
- Wikipedia: LoRa / LoRaWAN
- meshtastic.org

- Wikipedia: Meshtastic