Review Meshnology N39 (flaches Hochformat) Meshtastic Bausatz

Die in China ansässige Firma Meshnology entwickelt und vertreibt Meshtastic-kompatible LoRa-Geräte, Bausätze und Zubehör für netzunabhängige Funkkommunikation. Sie setzt dabei Original-Hardware zum Beispiel von Seeed Studio und Heltec ein. Das Angebot richtet sich an Maker, Elektronikbastler, Funkamateure und alle, die ihre Hardware selbst aufbauen, anpassen und erweitern möchten. Im Fokus stehen offene Technologien, hochwertige DIY-Kits und praxisnahe Lösungen für Meshtastic-, IoT- und Off-Grid-Anwendungen.
Meshnology packt alle Bauteile, die man für ein Meshtastic-Fertiggerät benötigt in ein Kit. Dabei achten sie auf hochwertige Komponenten. Jedes Kit beinhaltet ein 3D-gedrucktes Gehäuse. Man bekommt also alles komplett geliefert, was man braucht und muss sich nicht erst auf die Suche nach den passenden Einzelteilen machen. Das Zusammenbauen muss man allerdings selbst erledigen. Das beschränkt sich meist aber auf zusammenstecken und zusammenschrauben. Der Lötkolben darf also kalt bleiben. Manche Original-Hardware gibt es gar nicht mit Gehäuse, so dass Meshnology hier eine Lücke schließt für diejenige, die eine bestimmte Hardware-Plattform bevorzugen.
Das Meshnology N39-DIY-Kit beinhaltet:
- Mainboard: Heltec V4 mit ESP32-S3R2 (SX1262, 16MB Flash, 2MB PSRAM) und 0.96-inch OLED (blau)
- L76K-GPS-Modul
- Lithium-Akku mit 3000 mAh
- Passgenaues, in PLA 3D-gedrucktes Gehäuse
- Alle nötigen Schrauben, Muttern, Antennen, Kabel
Die Hardware
Die Heltec Mainboards (V3 und das neue V4) sind bei den Meshtastic-Usern, die ihre Geräte selbst bauen, durchaus populär, sind sie doch kompakt und günstig. Allerdings fehlt es dem Heltec V4, der hier auch Grundlage für das N39 ist, an einigem: kein GPS, kein Akku, maximal ein eher windiges Gehäuse.Meshnology packt in das Kit neben dem Heltec V4 ein passendes GPS-Modul mit L76K, einen großen Akku mit 3000 mAh und ein passendes 3D-gedrucktes Gehäuse, um alles portabel unterzubringen.
Das End-Gerät bleibt dabei flach und die GPS-Antenne verschwindet in einem extra Antennenstummel für guten Empfang. Statt der kleinen internen Helix-Antenne kommt eine größere (aber doch noch kompakte) externe Antenne zum Einsatz, die einen ausreichenden Empfang sicherstellen sollte.
Im Inneren des N39 werkelt als Hauptprozessor ein ESP32-S3R2 von Espressif, wie übrigens auch beim LilyGo T-Deck oder dem CrowPanel 3.5 mit Lora-Modul. Die ESP32 sind zwar nicht ganz so auf Stromsparsamkeit getrimmt wie die Mikrocontroller von Nordic (meist als nRF52840), sind dafür unter Arduino IDE und Platform IO aber besser programmierbar für meinen Geschmack.
Für Nicht-Programmierer, die eh nur die fertige Meshtastic-Firmware einsetzen, dürfte das allerdings egal sein. Die haben mit einem nRF einen leichten Vorteil in der Laufzeit, besonders, wenn noch ein E-Ink-Display dazukommt. Der große 3000 mAh hat aber genug Leistungsreserven und das kleine OLED verbraucht auch keine Unmengen an Strom, besonders nicht, wenn es aus ist und nichts anzeigt.
Programmierer, die sich nicht so recht entscheiden können, seien meine Artikel Den ESP32 schlafen legen, um Strom zu sparen und Stromverbrauch und DeepSleep des nRF52840 ProMicro ans Herz gelegt für die Entscheidung, wie sehr sich Strom mit den beiden Mikrocontrollern sparen lässt.
Der für LoRa zuständige Chip ist wieder ein Semtech SX1262. Der ist fast Standard zur Zeit und ist auf Stromsparen getrimmt. Er verbraucht noch weniger Strom als sein Vorgänger SX1276. Trotz verringerter Leistung ist der Empfang beim SX1262 ein wenig besser als beim SX1276. Das N39 hat ein 0.96 Standard-OLED-Display, wie es auf AliExpress und Co. günstig zu kaufen gibt. Bei mir war es die blaue, nicht die weiße Version. OLED ist nicht ganz so stromsparend wie die ePaper-Displays der Konkurrenz, aber mit dem großen Akku macht das N39 das wieder wett. Ich habe die Laufzeit jetzt aber nicht gemessen. Der hängt auch immer davon ab, wie lange das Display an ist, wie der GPS-Empfang ist und wie viele Nachrichten empfangen werden. Am besten, man nutzt die Einstellung in der App, den Bildschirm nach 30 Sekunden Inaktivität abzuschalten.
Die Frage zum Stromverbrauch für den Sound beim Nachrichteneingang stellt sich erst gar nicht. Der Heltec V4 verfügt über keinen Buzzer. Aber: Dafür verfügt er über viele gut zugängliche GPIO-Pins, an denen man einen Buzzer anschließen könnte. Das Gehäuse ist allerdings passgenau für die mitgelieferten Komponenten. Da wird es schwierig, einen Buzzer unterzubringen, aber an die Außenseite ginge allemal. Dann wäre der Sound auch schön laut. Den GPIO-Pin kann man dann in der Android oder Apple-App unter "externe Benachrichtigung / Buzzer" eingeben und schon sollte das funktionieren.
Aber hier zeigt sich auch: das Heltec V4 ist eher ein Board für Selbstbastler, denn für Fertig-Geräte: es hält viele Optionen offen und kommt deswegen absichtlich ohne Komponenten wie GPS oder Akku. Der Bastler soll selbst entscheiden, was er braucht und wieviel er ausgibt. Mit dem N39 hat uns Meshnology nun aber ein Paket geschnürt, das wie ich meine, ganz gelungen ist und das auch Grundlage für die Bewertung ist.
Das selbstleuchtende OLED hat gegenüber einem OLED sogar einen Vorteil: Jedes Mal, wenn eine neue Node dem Mesh beitritt, wird das stumm angezeigt. Man bekommt es trotzdem mit, da eben das OLED für ein paar Sekunden angeht. Und man kann das OLED im Dunkeln ohne Taschenlampe ablesen, E-Ink-Displays reflektieren ja nur Licht und erzeugen keines.
Ob sich das OLED mit der Zeit einbrennt, wie ich es bei anderen OLEDs bei voller Helligkeit erlebt habe, kann ich nicht 100%ig sagen. Aber ich gehe davon aus, da es das Standard 0.96 Inch SSD1306-OLED-Display ist, allerdings in blau und nicht weiß. Das Ausbrennen geschieht schleichend und fällt erst nach mehreren Monaten Dauerleuchten auf. Nichtsdestotrotz vermisse ich eine Einstellmöglichkeit für die Helligkeit des OLED. Für mich scheint das OLED aber nicht auf 100% zu leuchten. Bei 100% brennt das OLED am schnellsten aus. Bei Werten darunter hat man eine viel längere Lebensdauer.
Das Gehäuse ist in PLA gedruckt und sieht von der Form ziemlich spacig aus, meine ich. Besonders wenn man die Farben "Twilight Purple" wählt, hat man ein ziemlich auffälliges Gerät. Es geht aber auch weniger auffällig in schwarz oder grün.
Das Gerät verfügt nur über zwei Buttons: Reset und einen Funktionstaster. Ein Ein-Ausschalter fehlt ganz. Man muss das Gerät also immer über das Meshtastic-Firmware-System-Menü in den Schlafmodus schicken, will man Akku sparen. Auch die Bedienung ist mit nur einem Knopf nicht toll.
Der Zusammenbau
Auf der Meshnology N39-Seite gibt es auch eine kleine bebilderte Anleitung mit ein paar Schritten. Allerdings finde ich, dass die Bildauflösung etwas besser sein könnte. Ideal wäre es, würde eine gedruckte Anleitung gleich dem Bausatz beiliegen. Ein Zettel in A5 würde da schon ausreichen.Ansonsten ist der Zusammenbau ziemlich einfach. Man kann nicht viel falsch machen und der schon etwas erfahrene Bastler kommt sicher auch ganz ohne Anleitung aus.
Das OLED-Display ist bereits auf dem Mainboard montiert, da müssen wir uns also nicht groß drum kümmern. Seltsam ist, dass die normalerweise standardmäßig vorhandene Schutz-Abziehfolie auf dem Display fehlt. Da das Board aber mit Display nach unten in Schaumstoff ruht, sollte da nicht viel schiefgehen können.
Was ich empfehle, als erstes zu machen, ist diesen kleinen PigTail (das ist das Kabel mit dem Antennen-Schraubgewinde am Ende) einzustöpseln. Pigtails sitzen ziemlich straff und man braucht schon ein wenig Geduld, bis es "schnackelt". Diese Geduld sollte man sich aber auch nehmen und tunlichst darauf achten, den Stecker absolut waagerecht aufzustecken und nicht zu verkanten. Diese kleinen Buchsen auf dem Board sind sehr empfindlich und verbiegen leicht oder reißen von der Platine ab. Bei mir hat geholfen, die Buchse waagerecht aufzusetzen und dann etwas zu drehen, während ich sie gerade herunterdrücke. Gar nicht so einfach und ich brauchte mehrere Versuche. Irgendwann klappt es dann aber. Nur nicht die Geduld verlieren. Hier ist schnell etwas zerstört.
Das GPS-Modul wird anders angebunden, nämlich über ein SH1.25-8Pin-Interface, das speziell für Heltec Boards ist. In den 8 Kabeln ist neben den Strom- und Datenleitungen auch die Antennenleitung integriert. Hier wäre eine Koax-Abschirmung (wie bei Pigtails üblich) schön gewesen, aber das ist nicht Meshnology's Schuld, das Modul ist so Standard. Und es funktioniert auch einwandfrei, wie ein späterer Test bewies. Die Position der GPS-Antenne im Gehäuse ist auch geschickt gewählt: freistehend für einen guten Empfang und die Kabel ziemlich frei geführt, so dass es hier zu wenig elektromagnetischen Induktionen mit der Mainboard-Hardware kommen kann.
Dann setzt man den richtigen Doppelknopf ein. Richtig ist hier der mit der "V4"-Aufschrift. "V3" ist für ältere Boards. Die Buttons unterscheiden sich nur geringfügig in der Höhe. Nimmt man den falschen, dann fällt das erst nicht auf, aber später bei der Bedienung ist der Klick nicht gut. Man befestigt den Button am besten mit etwas Klebeknete an der Außenseite. Damit ist die Gefahr, dass dieser eventuell herausfällt, gebannt.
Nun die Antennenbuchse innen anbringen, besser vor dem Mainboard, sonst beengt man sich unnötig. Alle Muttern ab (Reihenfolge merken), die Antennenbuchse von innen in das sechskantige Loch und Muttern wieder drauf. Sanft mit der Zange von außen festziehen - sitzt.
Nun das Mainboard einsetzen. An der USB-Buchse orientieren. Die muss in die Seite. Also schräg einsetzen und dann fallen lassen. Schauen, dass das Mainboard gut sitzt und dann mit den Schrauben befestigen. Da sich die Schrauben durch das Plastik schneiden müssen, braucht man dafür ein wenig Kraft am Anfang. Und man muss darauf achten, dass die Schrauben senkrecht reingeschraubt werden. Wenn sie ihren Weg gefunden haben, nicht übermäßig kraftvoll zu Ende schrauben. Das Motherboard soll sicher sitzen und nicht mehr wackeln, fester muss es nicht sein, denn hier kommt nach fest nicht ab, sondern Platinenbruch, wenn es doof läuft.
Das Gehäuse dann mit dem Display nach unten vor sich legen und die GPS-Antenne links in den Stummel einsetzen, mit dem Lötbatzen nach unten. So zeigt der "Lötbatzen" später bei waagerechter Haltung nach oben Richtung Himmel und der Empfang ist gut. Wer das Gerät im Liegen über Kopf benutzen will, der installiert es anders herum. Aber wer will das schon? Dann einmal den Gehäusedeckel drauf, den Sitz überprüfen, die Schutzschicht vom Klebepad abziehen und die Antenne einkleben.
Eingeklebt wird auch der Akku. Den so positionieren, dass das Kabel (dann im zusammengeschraubten Zustand) möglichst nahe der Bat Buchse rechts (Display nach unten auf der Tischplatte) ist.
Jetzt LoRa-Antenne aufschrauben (der SX1262 mag nicht so gerne ohne Antenne betrieben werden) und die Batterie anschließen. Dazu den roten Draht an die Stelle, wo das + auf der Platine ist. Dann das Gehäuse zuklappen und schauen, dass nirgends Kabel geklemmt werden oder dort sind, wo die Schrauben lang gehen werden.
Dann einen kleinen Funktionstest: Das Display sollte etwas anzeigen, weil das Gerät jetzt Strom hat und sich eingeschaltet hat. Das was da steht, können wir ignorieren, das ist noch nicht die richtige Firmware, sondern die Heltec-Test-Firmware.
Alles gut? Dann können wir das Gerät ja zusammenschrauben. Das geschieht auf eine pfiffige Art und Weise: die quadratischen Scheiben kommen in die Aussparungen und dann kommen die Schrauben rein. Auf Widerstände achten - nicht, dass da doch noch ein Kabel im Weg ist. Auch die Schrauben nicht zu fest ziehen, denn das Metall der Schrauben ist stärker als das Plastik und wir wollen ja nichts heraus brechen.
Fertig! War doch easy, oder? Jetzt müssen wir nur noch die richtige Meshtastic-Firmware (Heltec V4) via WebFlasher installieren, dann kann es auch schon losgehen.
Hier ein Video, in dem ich den Zusammenbau noch einmal genau zeige, weil ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein Video nochmals mehr (ab 8. August 2026 abrufbar):
Meinen ersten Eindruck beim Auspacken der Meshnology-Bausätze könnt ihr in meinem Mailbag #171 bewundern (ab 11. Juli 2026 abrufbar):
Das fertige Gerät

Das fertige N39 ist lang, schmal und flach. Es liegt bei Einhand-Bedienung sowohl für Linkshänder als auch für Rechtshänder gut in der Hand. Und ich glaube, es taugt auch für kleinere Kinderhände. Kindern wird auch das abgespacte Design gefallen. Wie etwas, was die Men in Black benutzen würden oder was man auf der USS Enterprise finden könnte.
Das 3D-gedruckte Gehäuse aus PLA hat die Maße mit GPS-Antenne: 59 x 143 x 17 mm; das Gesamtgewicht beträgt: 112.9 Gramm.
Da das Gerät eh schon so lang ist, ist die LoRa-Antenne eher kurz mit 6 cm. Aufgeschraubt macht sie das Gerät noch einmal 5.5 cm länger. Die LoRa-Antenne ist steif und starr. Ich denke, die Antenne passt gut zum Gerät, mit einer längeren wäre das Gerät zu groß.
Das Gehäuse des N39 ist präzise auf 3D-Druckern von Bambu Lab (diese sind für Präzision und Geschwindigkeit bekannt) mit Qualitäts-PLA gedruckt worden. Die Wandstärke des N39-Drucks ist mehr als ausreichend und das Gehäuse macht einen stabilen Eindruck. Nichtsdestotrotz: PLA hält Temperaturen über 60° C nicht dauerhaft stand. Darum bitte nicht stundenlang auf dem Armaturenbrett im Auto im Sommer liegen lassen, damit sich das Gehäuse nicht eventuell doch verzieht.
Bei der Bedienung mit nur einem Funktionsknopf mit nur einem Knopf will nicht so recht Spaß aufkommen. Insbesondere, wenn man sich an die tolle Bedienung mit dem Joystick beim N37 oder N37E gewöhnt hat. Das kurz drücken für weiter und lang drücken für Bestätigen ist schon umständlich, zeitraubend und nervig. Für den Notfall ist das okay.
Auch braucht man bei dem kleinen Display gute Augen, weil man die kleine Schrift entziffern.
Das Gerät sollte man eigentlich hauptsächlich mit dem Smartphone über die App bedienen. Da hat man dann auch alle Möglichkeiten.
Weiterlesen...
Ein Lese-Muss ist mein LoRa-Meshtastic Gerätevergleich mit großer Vergleichstabelle. Hier könnt ihr alle Features der von mir getesteten Geräte miteinander vergleichen und das richtige für einen Kauf finden.Welches Gerät welche Sende- und Empfangsleistung an den Tag legt, könnt ihr in meinem LoRa-Meshtastic Reichweitentest über 2, 2.5 und 3 km nachlesen.
Sicher ist der direkte Vergleich mit dem ganz ähnlichen Produkt von Seeed Studio interessant. Das Review des Seeed L1 Pro sollte man lesen.
Auf die anderen Produkt-Reviews von Meshnology möchtet ihr vielleicht auch einen Blick werfen:
- Review Meshnology N39 (Hochformat, OLED)
- Review Meshnology N39E (Querformat, E-Ink)
- Review Meshnology N39 (hoch, schmal, OLED)
Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links
- Was ist Meshtastic?
- Nordic Semiconductor nRF-Familien / Varianten im Vergleich zum ESP32
- Espressif ESP32 Chip Varianten im Vergleich
- Wikipedia: LoRa / LoRaWAN
- Wikipedia: Meshtastic
- meshtastic.org

- Meshtastic: Download App: Apple, Android

- Device Configuration: CLIENT, CLIENT_MUTE, CLIENT_HIDDEN, REPEATER, ROUTER etc.

- Review Meshnology N39 (Hochformat, OLED)
- Review Meshnology N39E (Querformat, E-Ink)
- Review Meshnology N39 (hoch, schmal, OLED)
- Meshnology N39 im amazon.de Shop
- Meshnology N39 im China-Shop plus Anleitung

- Meshnology N39E im amazon.de Shop
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- Seeed Wio Tracker L1 Pro (Promo-Rabatt-Code NI5B6MBQ) im Seeed Studio Shop

- Meshnology Wiki: N39 WiFi LoRa 32 V4 Development Kit

- Meshnology Discord Channel
