Review Elecrow CrowPanel Advance 3.5" HMI als Meshtastic Gerät


Eigentlich hatte ich das Elecrow CrowPanel 35 ja als Edel-Ersatz für das Cheap Yellow Display (CYD, Artikel zum CYD siehe hier) gedacht.

Im Vergleich zum CYD hat das CrowPanel Advance, das ich in Anlehnung an "Cheap Yellow Display" auch "Advanced Black Display" (ABD) nennen möchte, einen kapazitiven Screen mit doppelt so vielen Pixeln: 320x480 auf 3.5 Zoll statt 240x320 auf 2.8 Zoll. Und der kapazitive Screen ist natürlich ein ganz anderer Komfort und bei der Bedienung: Man muss den Screen wie bei einem Smartphone nur streicheln, statt ihn mit einem Stift oder dem Fingernagel herunterzudrücken. Ansonsten hat das ABD alles, was das CYD auch hat - bis auf die RGB-LED, die wirklich kein Mensch wirklich braucht.

Ein wirkliches Highlight ist die Erweiterbarkeit mit kostengünstigen Funk-Modulen, die einfach eingesteckt werden. Elecrow war so freundlich, mir hier ein paar mitzuschicken: Das ESP32-H2-Modul für Thread, Zigbee und Matter, das ESP32-C6-Modul für WiFi 6, das nRF2401-Modul für Nordic 2.4 GHz-Funk und das von mir am höchsten geschätzte, das LoRa-Modul mit SX1262 Chip.

Nachdem ich gesehen habe, dass im Meshtastic Flasher auch das "Crowpanel Adv 3.5 TFT" auswählbar ist, habe ich das natürlich gleich ausprobieren müssen.

Also vorsichtig das Rechteck aus dem letzten Acryl-Panel ausgesägt und dann das passgenaue LoRa-Modul eingesteckt. Dann noch mit der mitgelieferten Mini-Antenne verbunden, die ich erst einmal provisorisch oben auf das Gehäuse geklebt habe und die Meshtastic-Firmware geflasht.

Dann mit der Meshtastic App auf meinem Smartphone über Bluetooth verbunden und auf LoRa 868 Mhz Europa eingerichtet. Und was soll ich sagen: es funktionierte gleich auf Anhieb. Okay, ich habe jetzt vielleicht schon ein bisschen Erfahrung mit dem LilyGo T-Deck, auf dem die selbe Software, nämlich die Meshtastic UI läuft, aber ihr könnt unter dem Link dort alles wichtige zum Einrichten von Meshtastic nachlesen.

Apropos nachlesen: Hier könnt ihr nachlesen, was Meshtastic überhaupt ist. Nur ganz kurz und viel zu vereinfacht auf eine Summe gebracht: Meshtastic ist wie WhatsApp, nur ohne Internet oder Mobilfunk. Es funktioniert also auch dann noch, wenn das alles ausfällt.

Da das CrowPanel 35 mit LoRa-Modul darum ein vollwertiges Meshtastic-Endgerät abgibt, und das für einen Preis von derzeit (Sept. 2025) USD 33.25 mit Gehäuse und LoRa-Modul, habe ich beschlossen, es auch im großen LoRa Meshtastic Vergleich antreten zu lassen.

Dieses Review wirft also nur einen Blick auf das CrowPanel als Meshtastic-Device, es ist aber viel vielseitiger einsetzbar. Dazu kommen sicher noch ein paar Projekte von mir mit dem CrowPanel, die in eine andere Richtung gehen.

Lieferumfang, Varianten und Hardware


Beim CrowPanel hat man die Qual der Wahl. Es gibt es in unterschiedlichen Größen und dann natürlich auch Preisen, aus dem man sich das rauspicken kann, bei dem man persönlich das beste Preis-/Leistungsverhältnis sieht:

Bezeichnung und LinkPixelPreis Shop China mit Acryl Case (Sept. 2025)persönliche Anmerkungen
Elecrow ESP32 Display 2.4"320x240USD 18.10Display zu klein, nicht geeignet für Meshtastic. Firmware läuft lt. Elecrow auch nicht darauf. Obwohl es im Flasher eine 2.4" Firmware-Version gibt. Ich empfehle ein größeres Panel.
Elecrow ESP32 Display 2.8"320x240USD 19.40So groß wie das Panel vom CYD. Immer noch zu klein für meinen Geschmack. Nachrichten tippen über die Soft-Tastatur wird etwas fummelig sein.
Elecrow ESP32 Display 3.5"480x320USD 26.70Ab dieser Größe kann man angenehm und halbwegs sicher über die Software-Tastatur eingeben. Auch die Auflösung passt gut zur Meshtastic Firmware
Elecrow ESP32 Display 4.3"800x480USD 32.40Anständige Größe und nochmals bessere Auflösung als die 3.5 Zoll Version.
Elecrow ESP32 Display 5.0"800x480USD 35.90Gleiche Auflösung wie das 4.3", aber größere Darstellung. Lässt sich wohl noch gut in der Hosentasche verstauen.
Elecrow ESP32 Display 7.0"800x480USD 39.40Das größte Panel. Die Auflösung steigt nicht, aber die Bedienung ist eine andere, es ist schon ein kleines Tablet und nichts mehr für die Hosentasche. Tippen auf der Soft-Tastatur sollte sehr gut gehen.


Für das LoRa-Modul sind jeweils noch einfach schmale USD 6.55 fällig, was ich für einen sehr guten Preis halte. Das LoRa-Modul sollte man auf jeden Fall mit bestellen. Die Installation von Modul und Meshtastic Firmware ist so einfach, dass ein Ausprobieren von Meshtastic auf jeden Fall lohnt.

Die Acryl-Gehäuse bestehen aus mehreren übereinander liegenden, sehr passgenauen Acryl-Scheiben, die zusammen geschraubt werden. Acryl ist natürlich kratzempfindlich. Aber die Preise für die Gehäuse sind sehr günstig und man sollte sie meiner Meinung nach auf jeden Fall mit bestellen. Die Kanten sind allerdings eventuell ein wenig scharf, wie halt bei Laser-geschnittenem Acryl üblich. Nichts, was man mit einem feinen Schleifschwamm nicht korrigieren könnte.

Allerdings schaut das LoRa-Modul, zumindest bei der mir vorliegenden 3.5"-Version ein wenig über die Rückseite über. Und auf dem Modul ist der sehr empfindliche IPEX - Antennenanschluss. Hier sollte man sich dann vielleicht für mehr Robustheit ein 3D-Gehäuse entwerfen und ausdrucken, wenn man das CrowPanel mit ins Feld nehmen will.
Alle CrowPanels haben einen leistungsfähigen ESP32-S3 mit ordentlich Flash und PSRAM (512KB SRAM, 8M PSRAM and 16M Flash) an Bord und die Platinen sind alle tadellos verarbeitet. Ich habe nichts gefunden, wo ich bei der Verarbeitungsqualität des PCBs meckern könnte.


Für den LoRa-Funk ist ein Semtech SX1262 Chip zuständig, was dem Stand der Technik entspricht. Dieser verbraucht nur wenig Strom, noch weniger als sein Vorgänger SX1276. Trotz verringerter Leistung ist der Empfang beim SX1262 ein wenig besser als beim SX1276.

Natürlich gibt es ein USB-C-Kabel dazu und bei dem LoRa-Modul liegt auch eine kleine Antenne dabei, so dass man direkt loslegen kann.

Wenn man sich entschließt, sein CrowPanel permanent als Meshtastic Gerät zu nutzen, dann sollte man ihm vielleicht eine größere, externe Antenne spendieren. Die kann man in ein selbst gedrucktes 3D-Gehäuse integrieren und dann auch gleich an einen Akku denken, wenn man möchte. Dann muss man nicht immer eine Powerbank mitnehmen, wenn das CrowPanel einen eigenen Akku hat. Ein Batterie-Anschluss ist auf der Platine vorhanden und von hinten zugänglich (wenn wohl ohne Auseinanderschrauben ein bisschen fummelig).

Und man muss dazu sagen, dass kein GPS eingebaut ist. Dafür sollte man über die UART-Eingangsbuchsen aber selbst sorgen können. Aber vielleicht braucht man ja auch nicht unbedingt GPS bei seinem Meshtastic Device. Einige Zeitgenossen wollen vielleicht nicht ständig ihre Geo-Position posten - obwohl man die ja auch softwaremäßig abschalten oder ungenau machen kann.

Das CrowPanel als Standalone-Gerät


Normalerweise nutzt man bei Meshtastic Geräte ja die Meshtastic App, um Nachrichten einzutippen. Das LilyGo T-Deck hat dafür eine eingebaute Hardware-Tastatur. Das Smartphone kann dann im Holster bleiben. Und auch beim CrowPanel braucht man nicht unbedingt das Smartphone. Ab einer Bildschirmdiagonalen von 3.5 Zoll lässt es sich angenehm und sicher auf der Software-Tastatur des LVGL-Dialogsystems tippen, um Nachrichten direkt auf dem Gerät einzugeben.

Dank eingebautem Buzzer spielt das CrowPanel eine Melodie bei eingehenden Nachrichten. Darum kann man es gut ans Fenster stellen, warten bis es klingelt und es dann in die Hand nehmen, wieder aufwecken und direkt eine Antwort eintippen.

Je größer die Bildschirmdiagonale ist, desto größer werden natürlich auch die einzelnen Tasten der Soft-Tastatur dargestellt. Dann sollte das Tippen sicherer und einfacherer werden.

Wo wir gerade bei den Geräteausmaßen sind. Ich habe mal nachgemessen und komme auf 107 x 19 x 63.4 mm und ein Gesamtgewicht: 113 g mit oben aufgeklebter, mitgelieferter Mini-Antenne. Das ist etwas kleiner als das T-Deck plus

Als Bastelgerät für die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete ist das CrowPanel natürlich ein Traum. Als Nur-Meshtastic-Gerät ist es aber ein bisschen empfindlich mit dem etwas hervorstehenden LoRa-Modul. Einfachste Abhilfe wird eine weitere Gehäuse-"Scheibe" aus dem 3D-Drucker sein, die das Modul plan verschwinden lässt.

Das deckt dann auch alle Anschlüsse auf der Rückseite ab, über die natürlich ansonsten ganz schnell Wasser eindringen kann.

Das CrowPanel richtet sich auch mehr an Maker als an Leute, die ein fertiges Gerät nur für Meshtastic suchen. Und Maker wissen sich natürlich zu helfen und werden die vielen Erweiterungsmöglichkeiten zu schätzen wissen.

Unterschied in der Bedienung zum T-Deck plus



Das CrowPanel hat doppelt so viele Pixel wie das T-Deck, ist also im Prinzip zwei T-Deck-Bildschirme untereinander. Das Menü wird deswegen mittig angezeigt und ansonsten spart man sich viel Scrollen, weil einfach doppelt so viele Infos untereinander angezeigt werden können.

Dabei erfolgt die Darstellung und damit Bedienung hochkant. Was ich die bessere Lösung gegenüber dem Querformat finde. Dann wäre die Tastatur zwar breiter beim Eintippen, aber meist will man doch Informationen lesen und da ginge viel verloren.

Während das T-Deck eine kleine Hardware-Tastatur hat, die wegen ihrer Größe auch etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist das CrowPanel ganz auf die LVGL-Software-Tastatur angewiesen. Die funktioniert dank des gutes Touchscreens aber erstaunlich gut bei 3.5 Zoll und darüber. Die Hardware-Tastatur des T-Deck ist mir persönlich lieber, aber die Software-Tastatur ist schon brauchbar. Übrigens kann man auf dem T-Deck natürlich auch die Soft-Tastatur benutzen, wenn einem die besser gefallen sollte.

Die beim LoRa-Modul mitgelieferte Mini-Antenne kann mit der ausgewachsenen 17 cm Antenne des T-Deck natürlich empfangstechnisch nicht mithalten, aber man kann das CrowPanel natürlich mit einer anderen Antenne ausrüsten. Dann sollte - da ja der gleiche Chip, ein SX1262 - dann einen ähnlich guten Empfang bieten.

Das T-Deck plus ist mit eingebauter Tastatur, Akku und GPS und externen Antenne natürlich besser ausgestattet, aber es kostet auch eine ganze Ecke mehr. Beim CrowPanel kann man das natürlich alles auch nachrüsten. Je nachdem, ob ein Bastler in einem steckt oder wie sehr man sein Gerät anpassen will, ist das eine oder das andere Gerät die richtige Wahl für einen selbst.

Zur Ersteinrichtung über Bluetooth und zur Bedienung der Meshtastic UI bis dahin, wie man eigene Offline-Karte mittels µSD-Karte nutzbar macht verweise ich auf meinen anderen Artikel bzw. Videos.

Persönliches Fazit

Mit dem CrowPanel geht eine kostengünstige Lösung für den Bastler / Maker an den Start. Für ein Cheap Yellow Display in edel, und das ist das CrowPanel ja auch, ist immer ein Verwendungszweck da.

Mit ein paar Euro für das LoRa-Modul hat man einen kostengünstigen Einstieg in die Meshtastic-Welt und kann das relativ risikoarm einmal ausprobieren. Gefällt einem Meshtastic nicht, dann hat man gerade mal 7 USD in den Sand gesetzt und immer noch ein feines Display, mit dem man tausend Sachen anstellen kann, siehe dazu meine CYD-Artikel.

Und gefällt einem Meshtastic, dann kann man das Panel mit ein bisschen Making aufrüsten: mit eigenem Akku, besserer Antenne, einem GPS-Empfänger, eigenen Telemetrie-Sensoren, mit allem, was man will.

Für mich der flexibelste Einstieg in die Meshtastic Welt - allerdings nichts für Leute, die nicht wissen, an welcher Seite der Lötkolben heiß wird.

Videos

Hier das Mailbag Video, bei dem ich unter anderem das CrowPanel auspacken und meinen ersten Eindruck kundtue:



Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, das CrowPanel auch mal auseinanderzuschrauben und das Innere zu bewerten:



Und hier mein Review, in dem ich das CrowPanel mit installiertem LoRa Modul und Meshtastic UI reviewe:



Weiterlesen...

Sicher ist für den einen oder anderen ein Vergleich mit dem LiliGo T-Deck interessant, dessen Review ihr hier findet. Darauf läuft auch die Meshtastic UI, und es verfügt über eine eigene Tastatur

Ich bin mit meinen Reviews noch nicht durch. Schaut bald wieder vorbei und lasst euch überraschen, was als nächstes kommt!



Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links