Blog 2025-11-29: Meine Erfahrungen mit der Shardor CG836 Kaffeemühle für Siebträger-Espresso

2025-11-29: Meine Erfahrungen mit der Shardor CG836 Kaffeemühle für Siebträger-Espresso
Kategorie:Produkt-Test
Stichworte:Espresso, Latte Macchiato, Espressomaschine, Siebträger, Nespresso, Kapseln, kompatibel, Krups, FNA1, Völkner, Graef, CM702, CM800, Shardor G836, Tipps, Tricks



Da meine CM702 jetzt schon zum zweiten mal innerhalb von vier Jahren ein gebrochenes Plastikteil aufwies, die Eigen-Reparatur sich leider ausschließt, weil Graef mir kein kostenfreies Ersatzteil auf Kulanz überlassen will und ich eine 4-Jahre-Garantie von meinem Händler habe, habe ich beschlossen, die CM702 zurückzusenden, mir mein Geld zurückerstatten zu lassen und mir eine neue Kaffeemaschine zu kaufen.

Also muss eine neue Kaffeemühle her. Leider ist es schon ein ziemlicher Krampf, Kaffeemühlen online miteinander zu vergleichen. Alle Hersteller versprechen in ihren Produktangaben bei den Versandhändlern, dass ihre Modelle alles können, von feinem Espresso Pulver bis hin zu groben Schrot für die French Press. In ganz vielen Abstufungen. Dass das nicht wirklich sein kann, liegt auf der Hand. Wenn alle alles können, warum gibt es dann Preisunterschiede? Man kann die Produktversprechen aber leider schlecht überprüfen, weil die Hersteller keine aussagekräftigen Fotos oder technische Daten liefern, sondern eher an die Emotionen der potentiellen Käufers appellieren: mit Fotos und Videos über dampfenden Kaffee, mit befriedigenden Geräuschen von Wasserplätschern beim Aufbrühen von Kaffee und mit super-hübschen Modells, die überglücklich zu sein scheinen, dieses Produkt besitzen zu dürfen. Der Business-Kasper, der herausgefunden hat, dass Marketing mit Targeting Lifestyle und Emotionen sich besser verkaufen lässt und einträglicher ist als nüchterne technische Daten, die dem Verbrauchen einen objektiven Vegleich ermöglichen würde, und der skrupellos war, das dann auch anzuwenden - er hat mich mal wieder wertvolle Lebenszeit gekostet.

Also blieb mir nur, Blogs, Videos und redaktionelle Tests anzuschauen und die Maschinen darüber miteinander zu vergleichen. Wobei da die journalistische Qualität auch seit Jahren Richtung Bodensatz geht. Da gibt es Portale, die schreiben so gut wie nichts und dann auch noch so, dass man es nicht verifizieren kann. Wahrscheinlich nur, um Affiliate-Links zu setzen und Geld abzustauben. Und da gibt es Blogs, da grinsen ständig zwei Typen grenzdebil in die Kamera und erzählen was von Kaffeemühlen zwischen 500 und 2000 Euro. Die erinnern mich immer an diese amerikanischen Verkaufsshows beim Teleshopping. Aber über die Präsentationsart will ich hinwegsehen, solange sie brauchbare Bewertungen liefern. Und das scheinen sie schon zu tun. Allerdings für Maschinen, die weit jenseits meiner Preisvorstellung liegen.

Es gibt echt zuviel Pseudo-Tests und eher wenig objektive Bewertungen, erst recht im Bereich unter 100 Euro. Da gibt es zwar die etablierte Publikation Stiftung Warentest, die ihre Test-Artikel von 2019 allerdings hinter einer Paywall einschließt. Ja, Print ist tot und guter Journalismus muss auch im Web Geld einbringen. Aber gleich mal 3.90 Euro minimum, um einen Artikel lesen zu dürfen, der sich dann vielleicht als irrelevant herausstellt - das ist es mir dann doch nicht wert. Zumal der Nutzwert fraglich ist, weil sich seit 2019 viel getan hat und der Vergleich nicht mehr aktuell sein dürfte.

Aber beim RTL-Verbrauchertest "Elektrische Kaffeemühlen um 50 Euro im RTL-Test – Testsieger liefert Kaffeepulver vom Feinsten" aus 2025 war ein Vergleich günstigerer Maschinen zu finden. Der Testsieger bei RTL war die Shardor Burr Coffee Grinder Kaffeemühle, die sich als Modell CG836 herausstellt.

Über diese Kaffeemühle schreibt der Redakteur:

...
Beim Espressopulver gibt es einen Aha-Moment. Ich teste mit zwei Fingern, wie fein das Kaffeemehl geworden ist. Und hier merke ich deutlich, dass es feiner ist als bei den Vergleichsmaschinen aus meinem Test. Es fühlt sich an wie ganz feiner Puderzucker-Sand an einem Traumstrand. ...
Feines Pulver für meine Siebträgermaschine. Darauf kommt es mir an. Und hier schreibt ein Mensch, dass die Shardor das liefert: "ganz feiner Puderzucker-Sand". Dazu soll die Maschine zu Black Friday (wahrscheinlich auch sonst nicht viel teurer) knapp 40 Euro kosten.

Weitere Infos über die Maschine sind im Internet kaum zu finden. Nur ein paar wenig aussagekräftige Kurzvideos auf Youtube und ein paar Kommentare auf Reddit. Aber auch meine KI-Chatbots sagen mir, dass ein Scheibenmahlwerk - über das die Shardor CG836 verfügt - an sich besser ist als ein Kegelmahlwerk (das meine CM702 hatte) und feineres Pulver produziert.

Also habe ich sie mir bei amazon - war der einzige seriöse Versandhändler war, den ich gefunden habe - am Black Friday bestellt. Und wurde verwöhnt: 30-Tage Rückgaberecht, zwei Jahre Anschlussgarantie für nur 2 Euro, kostenloser Versand zum Vormittag des nächsten Tages, wenn ich mich Prime für 30 Tag kostenlos teste. Wer kann da schon nein sagen? Da kann ja gar nichts mehr schiefgehen, selbst, wenn die Maschine mir nicht zusagt. Also bestellt.

Und wirklich: 22 Stunden nach Bestellaufgabe klingelt der amazon-Bote und liefert die Kaffeemühle. Hätte nicht gedacht, dass das so schnell gehen kann. Also gleich ausgepackt und aufgebaut. Auseinander- und Zusammenbauen geht recht easy. Man soll vor dem ersten Gebrauch das Mahlwerk öffnen und säubern. Das ist aber blitzblank. Auch Bohnen- und Auffangbehälter sind blitzblank. Im Auffangbehälter hat sich ein leichter Plastikgeruch angestaut. Einmal durchgepustet und er ist verflogen. Spricht eher dafür, dass der Auffangbehälter dicht ist. Der Deckel auf dem Bohnenbehälter sitzt allerdings nicht so straff. Da könnte Aroma verloren gehen. Aber man muss ja den Behälter nicht bis oben voll machen. Allerdings bemerke ich, dass sich der Bohnenbehälter schwer wieder aufschrauben lässt - da braucht es schon sanfte Gewalt. Das gefällt mir nicht so sehr.

Die Bedienung ist einfach: die Mahlzeit einstellen: zwischen drei und vierzig Sekunden sind möglich, in 1-Sekunden-Schritten. Den erste Druchgang habe ich auf etwa mittelfein, 8 Klicks vom Anschlag, durchgejagt. Das war mir zu grob, eher was für Filterkaffee und aufgießen. Also das Pulver weg. Das war der erste Durchgang, da hängt die ganze Chemie drin. Okay, nicht wirklich, aber sicher ist sicher.

Dann habe ich auf 4 Klicks vom Anschlag entfernt gedreht - lieber langsam der maximalen Feinheit annähernd, bevor was verstopft oder, worst case, die Mahlscheiben sich gegenseitig blockieren.

Feiner, aber immer noch viel zu grob - immer noch Filterkaffee-Niveau. Das Mahlen an sich funktioniert wunderbar. Ich habe auf Stufe 5 gestellt, das heißt fünf Sekunden mahlen. Das sind dann so ca. 7 Gramm Pulver, genug für eine Einzeltasse. Die Anzeige ist gut ablesbar, das Drehen ded Drehgebers ist präzise und macht Spaß. Dann noch den I/0 - Knopf gedrückt, und die Maschine sirrt für 5 Sekunden. Im Vergleich zu meiner alten CM702 noch leiser. Angenehm leise. Und recht schnell.

Der Espresso auf 4 Klicks schmeckt allerdings nicht: der ist auch viel zu schnell durchgelaufen: Pulver viel zu grob. Dann also auf Maximum. Ich drehe den Regler auf Anschlag, also ultrafein. Feiner kann sie nicht.

Nur leider ist das nicht fein genug. Es gibt zwar sehr feine Partikel - das ist dann nur Staub, der übrigens statisch aufgeladen ist und gerne an den Wänden des Auffangbehälters kleben bleibt. Ein bisschen Klopfen bringt die meisten Partikel aber an den Grund und lässt sich dann auf den Siebträger klopfen. Ich hatte mit einer größeren Sauerei gerechnet - es hält sich also in Grenzen.

Aber es gibt auch eher grobe Partikel auf Filterkaffee-Niveau. Ein Gemisch aus sehr wenig Staub, wenig passend feinen Partikeln und viel zu vielen groben Partikeln. Auch auf feinster Stufe läuft der Espresso zu schnell durch. Und schmeckt nicht. Ist sauer.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Shardor so feines Pulver macht, wie der RTL-Redakteur vorschwärmt. Meiner Siebträger-Maschine und mir reicht es aber bei weitem nicht. Ich habe es dann noch einmal mir anderen Bohnen versucht, mit den Lavazza Crema e Aroma. Die sind ein bisschen gnädiger, wenn die Partikel gröber sind, weil sich das Pulver scheinbar mehr vollsaugt und eine kompaktere Masse ergibt, die von sich aus mehr Widerstand beim Extrudieren ergibt. Aber auch hier: Pulver zu grob.

Also muss die Maschine leider wieder zurück gehen. Auch hier muss ich erneut amazon loben. Das Zurücksenden wurde mir leicht gemacht. Ich konnte sie bei meiner ein paar hundert Meter entfernte Packstation einlegen. Ohne Umkarton und ohne Adress-Etikett. Das erledigt dann der DHL-Mitarbeiter für mich, wenn er die Retoure von der Packstation abholt. Noch besser wäre es natürlich gewesen, wenn der amazon-Bote meine alte Maschine gleich mitgenommen hätte, wenn er mir in drei Tage meine neu bestellte Graef CM800 vorbeibringt. Das geht aber wohl nicht.

Die Shardor CG836 kann ich aber für Filterkaffee und French Press schon empfehlen. Sie ist günstig und einfach in der Bedienung. Für Filterkaffee muss einem aber klar sein: Die Maschine mahlt nur max. 40 Sekunden am Stück. Da dürften so 50 Gramm Kaffee gemahlen werden. Was für so 6 bis 8 Tassen Filterkaffee reicht, je nachdem, wie stark man ihn mag. Das dürfte eigentlich für eine Kanne reichen. Wer einen ganzen Wochenvorrat mahlen will, wovon ich abrate, weil dann das Aroma verfliegt, muss mehrmals drücken.

Auch in Sachen Strom-Verbrauch im Standby ist die Shardor CG836 vorbildlich: Mein Energiekostengerät konnte keinen Strom messen, so gering war er. Zudem geht nach ein paar Minuten die 7-Segment-Anzeige aus, damit sich da nichts ausbrennt. Am Knopf drehen lässt sich wieder angehen.

Die Graef CM800 kommt mich zwar fast das dreifache der Shardor CG836. Und das auch nur, weil das mit der amazon so fix ging, dass das Black-Friday-Angebot für die CM800 noch nicht abgelaufen ist. Sonst wäre es noch ein wenig teurer geworden.

Witzig bezüglich amazon war auch, dass ich die Rückerstattung der Shardor und der Versicherung schon auf dem Konto hatte, bevor sie den Betrag abgebucht hatten. Hier zeigte amazon noch einmal, wie Service sein kann. Bei anderen Händlern muss man seiner Erstattung schon einmal hinterherlaufen.

Aber ich war ja mit den Mahlergebnissen und der Bedienung meiner CM702 zufrieden, nur war halt die Plastik-Qualität ein Problem. Ich hoffe, die Metall-CM800 hält jetzt länger durch.

Ich werde berichten.