Vorstellung der Hardware des LilyGo T-Display P4 AMOLED


Das T-Display P4 von LilyGo sieht aus wie ein etwas zu dick geratenes Smartphone. Das fällt aber erst auf, wenn man es von der Seite betrachtet.

Auch der kapazitive Touchscreen und das hervorragende 4.1 Zoll AMOLED Display erinnern eher an ein modernes Smartphone von der Optik und der Bedienung her.

Übrigens: es gibt auch eine TFT-Version, aber die hat ein weniger brillantes Display und ein "Punch-Hole", oder "Loch" im Display oben für die Kamera. Bei der hier gezeigten AMOLED-Version ist die Kamera auf der Rückseite. Meine Empfehlung geht an die AMOLED-Version, die den Aufpreis meines Erachtens wert ist.

Das LilyGo T-Display P4 AMOLED hat folgende, äußeren Eigenschaften:

Außerdem ist das LilyGo T-Display P4 AMOLED ein echtes Multitalent in Sachen Funk: Das Keyboard K270 kann diesen Umfang noch erweitern, dazu aber mehr in einem separaten, späteren Artikel.

Im Inneren werkeln als Hauptprozessor der sehr leistungsfähige ESP32-P4 in RISC-V-Architektur von Espressif, der zwar schiere Rechenpower hat, aber keine Funk-Standards implementiert. Darum steht ihm als Co-Prozessor der ESP-C6 zur Seite. Die genauen Features von P4 und C6-Prozessoren sind in meinem Artikel Espressif ESP32 Chip Varianten im Vergleich zu finden.

Zudem sind verbaut:

Die GPIO and sonstigen Anschlüsse

Während auf der Vorderseite nur das Display ist und auf der Rückseite nur die Kamera (und ein paar Antennen unter der orangefarbenen Gummi-Abdeckung) finden sich auf allen Seitenteile zahlreiche Anschlussmöglichkeiten:


Auf der Oberseite befinden sich die beiden Antennenanschlüsse für die externen LoRa Antennen: MMCX 1 für 868 MHz und MMCX 2 für 2.4 GHz LoRa. MMCX2 wird in den meisten Fällen unbestückt bleiben, solange man nicht die Erweiterung mit dem LR1121 LoRa-Chip hat - eventuell funktioniert sie auch für den normalen 2.4 GHz Funkverkehr (WLAN und Bluetooth), aber das habe ich noch nicht ausprobiert.

Wichtig bei den Antennen: schaltet man in der Software von der internen Antenne auf die externe Antenne um, dann muss die mitgelieferte Dipol-Antenne auch in MMCX 1 stecken, sonst kann der LoRa-Chip SX1262 Schaden nehmen. Die interne LoRa Antenne ist schon ganz gut, die externe aber ein bisschen besser. Bei einem Kurztest hatte ich mit der externen Antenne RSSI -40 und SNR 11.8 und mit der internen Antenne RSSI -68 und SNR von 11.2.

Weiter rechts findet sich der C6-UART-Port, den man benutzen muss, wenn man die Firmware für den ESP32-C6 updaten will. Wie das geht, erkläre ich in meinem Artikel Flashen der LilyGo Firmware für LilyGo T-Display P4 AMOLED mit Keyboard K270. Die Anschlussreihenfolge der Pins ist - die orange Seite nach unten zeigend - RX, TX, 3.3V, GND. Diese muss man entsprechend mit einem nicht mitgelieferten FTDI- oder CH340- Serial-Adapter und damit mit dem PC verbinden. Die 3.3V Leitung kann dabei unangeschlossen bleiben.


Auf der Unterseite haben wir einen 3.5mm Klinke-Kopfhöreranschluss und oberhalb den Lautsprecher. Rechts das schmale Loch ist übrigens zur Aufnahme der Halteklammer der nachrüstbaren K270-Tastatur.

Darunter haben wir gleich zwei USB-C-Ports. Nur der rechte mit "P4.U" bezeichnete Port taugt für Datenübertragung (Flashen, Serial Terminal). Wobei man beim Terminalprogramm aufpassen muss: das darf die RTS-Leitung nicht benutzen, denn sonst führt es damit einen Reset des P4 aus und der kommt dann aus der Endlosschleife nicht mehr heraus und der P4 sieht dann wie eingefroren aus. Der rechte Port geht also über den Serial Interface Chip des P4 und kann damit keine Unmengen von Energie transportieren, zum Laden ist er darum weniger geeignet. Zum Laden ist der linke USB-C-Port gedacht. Der geht direkt an die Lade-Elektronik ohne Serial Chip dazwischen. Damit lässt sich dann eine höhere Stromstärke, also mehr Ampere über die 5V laden. Da "nur" ein 1000 mAh verbaut ist, sollte man Schnellladen mit mehr als 1 Ampere oder mehr als 5V aber absehen laut meiner Einschätzung.


Kommen wir zur linken Seite. Hier befinden sich die Buttons zur Steuerung der beiden internen MCUs, dem ESP32-P4 und dem ESP32-C6. Das ist gut beschriftet. Man muss nur wissen, dass "B" für "Boot" und "R" für "Reset" steht. Will man jetzt zum Beispiel einen Reset ausführen, drückt man nur P4.R. Will man eine neue Firmware auf den P4 ausflashen, hält man P4.B, drückt dann kurz P4.R und lässt dann zum Schluss auch P4.B wieder. Der Bildschirm sollte dann schwarz bleiben, weil sich der P4 dann im "Download Mode" befindet, in dem er auf die Kommandos der Flash-Software über USB.P4 wartet. Das Halten, Drücken, Loslassen kann sich ein wenig komisch anfühlen, weil man denkt, das wäre eine Wipptaste. Aber es funktioniert trotzdem, dann B gedrückt bleibt, während R kurz gedrückt wird. Zumindest den P4.B Button kann man auch so per Software abfragen. Das allermeiste an Bedienung wird aber über den Touchscreen gehen - hier ist LVGL für die User-Interface-Programmierung sehr beliebt.

Daneben kommt der USB-A-Anschluss. Ich habe den noch nicht getestet, nehme aber an, dass es sich hier um einen OTG (also "On The Go") Anschluss handelt, wobei der P4 dann die Host-Rolle spielt und zum Beispiel auf USB-Speichersticks zugreifen kann oder ähnliches - sobald die Firmware das unterstützt. Und wenn nicht, liefert der Port zumindest 5V für Peripherie, die wenig Strom braucht wie zum Beispiel einen kleinen Mikrocontroller mit Sensor.

Rechts daneben prangt die große RJ45-Buchse, in die man normal große Ethernet-Netzwerkkabel einstecken kann. Damit bringt das P4 alles mit, um mit der richtigen Firmware auch ins lokale Netz zu gehen.

Und ganz rechts ist ein kleines Loch, von dem ich annehme, dass es für das interne Mikrofon gelassen wurde, damit der P4 auch mitbekommt, wenn etwas gesagt wird.


Kommen wir schließlich zur rechten Seite. Die ist übersäht mit GPIO-Ports. Aber zuerst kommt ganz links der Ein-/Ausschalter. Der muss übrigens auf 0 sein, wenn man das K270-Keyboard ansteckt. Dann schaltet man nämlich die so entstandene Kombination über den Einschalter am K270 ein.

Daneben kommen zwei QWIIC-Buchsen, das ist ein Standard für Kabel zur I2C-Kommunikation. Bei Verwendung des K270 Keyboard muss hier ein winziges Board eingesteckt werden, damit der Strom korrekt vom K270 zum P4 geleitet werden kann. Aber bei angestecktem K270 sind diese Port eh unzugänglich.

Denn in die ganze Buchsen, die mit "GPIO Expansion" bezeichnet sind, wird dann die Tastatur K270 gesteckt. Die hat außerdem 4 Pogo-Pins, die sich an die dann entstandenen Kontakte der kleinen QWIIC-Platine drücken und so einen elektrischen Kontakt herstellen. Die mechanische Verbundenheit garantieren zwei Halteklammern an der Tastatur, die in die Spalten an der Seiten des P4 einhaken. Getrennt wird die Tastatur mit zwei an dieser angebrachten Hebeln.

Weitergeleitet werden über die GPIO-Leiste:



Zum Abgreifen braucht es lange Header-Stifte. Der linke QWIIC-Port belegt: SCL2 (GPIO 47), SDA2 (GPIO 48), VCC, GND und der rechte QWIIC-Port belegt SCL1 (GPIO 45), SDA1 (GPIO 46), VCC, GND.

Weiter rechts finden man ein M2-Schraubloch und den µSD-Karten-Slot. Die Karten sollten in der Regel FAT32-formatiert sein, um mit den Firmware kompatibel zu sein.

Pinout des P4

Das Pinout hat LilyGo in folgender Grafik so schön dargestellt, dass ich einfach darauf verweisen möchte:



Lieferumfang


Wieder kommt die Hardware wie von LilyGo inzwischen gewöhnt sehr gut verpackt in einem Plastik Hard Case mit reichlich Polster-Schaum an, so dass dem edlen Teil nichts geschehen kann.

Zudem liegt eine Antenne mit MMCX Anschluss bei, die auf MMCX1 passt. Die Antenne ist für LoRa mit 868 MHz ausgelegt und so wie es scheint, ein Dipol-Design, dass einen guten Empfang gewährleisten sollte.

Für MMCX gibt es aber auch Adapter nachzukaufen, die man dann einfach einstecken und darauf eine SMA-Antenne schrauben kann. Sogenannte "MMCX zu SMA Adapter". Und es gibt das ganze auch mit ein bisschen Kabel dran, ein sogenannter Pig-Tail-Adapter, oder genauer ein MMCX zu SMA Pigtail. So ein Pig-Tail Adapter liegt dem K270 Keyboard bei samt einer passenden Halterung. Man braucht dann nur noch eine SMA-Antenne zum Aufschrauben. Warum der Antennen-Adapter nicht schon dem P4 selbst beiliegt, erschließt sich mir nicht ganz.

Videos

Hier könnt ihr das T-Display P4 noch einmal live im Bewegtbild anschauen, denn ich habe ein Video dazu gemacht. Da zeige ich euch auch kurz die Test-Firmware und das K270-Keyboard, zu dem es aber sicher noch ein eigenes Video geben wird, wenn es dann korrekt läuft.



Firmwares

Und hier ist das Video zusammen mit dem K270-Keyboard und der LilyGo-eigenen Test-Firmware (im zweiten Teil des Videos):



In Sachen Meshcore-Firmwares hat sich schon einiges getan und es sind einige Entwickler dabei, hier Firmware zu entwickeln. Über den Stand der Beta-Firmware von Launcher, MECK-P4 für Meshcore und Wadamesh für Meshcore hier in diesem Video:



Weiterlesen...

Zur Vorstellung der Tastatur-Erweiterung K270 für das T-Display P4 geht es hier lang.

Wie das Flashen der LilyGo Firmware für LilyGo T-Display P4 AMOLED mit Keyboard K270 geht, könnt ihr hier nachlesen.

Das P-Display P4 ist nichts für dich, zu groß oder zu teuer? Vielleicht findest du in meinen beiden anderen T-Display-Reviews ja das richtige: Wenn du dich für Meshtastic bzw. Meshcore-Endgeräte interessierst, solltest du unbedingt auch mal in den LoRa-Meshtastic/Meshcore Gerätevergleich: Die große Vergleichstabelle reinschauen.



Quellen, Literaturverweise und weiterführende Links