Blog 2015-03-29: Microsoft Sculpt Ergonomic Desktop Tastatur

2015-03-29: Microsoft Sculpt Ergonomic Desktop Tastatur
Kategorie:Hardware
Stichworte:Hardware, Tastatur, Maus, Microsoft, Ergonomic, ergonomisch, Sculpt, Mouse, Schnurlos, Wireless


35 Jahre exzessiver Computergebrauch gehen nicht spurlos an einem vorüber. Wenn man sich dann schon als Kind angefangen hat, stundenlang mit unergonomischen Joysticks wie dem vom Atari 2600 videospielend vorm Röhrenfernseher zu verbringen, dann tut das dem Körper nicht gut. Nach dem Atari 2600 kam ein ZX-81 mit Folientastatur - was unergonimischeres kann man sich nicht vorstellen. Da muss man die Commodore-Tastatur des VC20 und dann der C-64 auf die man regelrecht einhacken musste (besonders bei Run/Stop-Restore) schon fast als Fortschritt bezeichnen. Die Tastatur vom Amiga war dann schon besser, aber die kantige Maus war auch nicht das Wahre. Mit dem Beruf kamen dann die PCs mit Tastaturen und Mäusen, die zwar oft vorgaben, "ergonomisch" zu sein, es aber nicht unbedingt waren. Sondern eher ein rundes, "modernes" Design aufwiesen.


Irgendwann dann im Leben eines Entwicklers, der tagtäglich Tastatur und Maus für viele Stunden gebraucht, kommt dann der Punkt, an dem man die Auswirkungen auf den Körper dann auch spürt: Der Nacken ist verspannt, die Schulter knirscht und tut weh, der Ellenbogen tut beim Beugen weh und am Handgelenk ziept es auch, weil die Maus halt doch nicht so ergnomisch ist.

Spätestens da macht man sich dann einen Kopf, wie man diese Schmerzen (die zu regelrechter Übelkeit führen können, wenn man sie ignoriert) abstellen kann und beginnt, ergonomische Tastaturen und Mäuse auszuprobieren.
Vorher ist es in etwa so wie mit dem Backup machen: Es ist noch nicht so schlimm, dass man gezwungen wäre, etwas zu tun. Aber spätestens nach dem ersten HDD-Headcrash sollte man gelernt haben und ein regelmäßiges Backup machen - beziehungsweise halt auf Ergonomie achten.

Microsoft war dabei eigentlich immer eine Firma, die gute Hardware auf diesem Gebiet hervorbrachte, die zudem halbwegs bezahlbar war. Ich erinner mich noch an die alte Microsoft-Kugel-Maus, die abgerundet war und wo einem nicht nach einer Weile die Kanten der Maus in der Handinnenfläche weh taten. Richtig ergonomisch war die Maus noch nicht, aber im Vergleich zur Konkurrenz weit voraus.

Ich war wegen meiner Beschwerden immer auf der Suche nach neuen ergonomischen Gerätschaften, um sie zu testen und zu schauen, ob man besser und beschwerdefreier mit ihnen arbeiten konnte. Vor Trackballs, Spracheingabe, geteilten Tastaturen und der damit verbundenen Einarbeitungszeit habe ich dabei nicht zurückgeschreckt.

Eines Tages fiel mir dann das Microsoft Ergonomic Keyboard 4000 bzw. Desktop - das ist die Version als Set inklusive Maus - auf. Ein ziemlich großes Teil mit geteilter Tastatur, gewölbten Design und als Extra eine zweite Funktionstastereihe, teilweise programmierbar, Vor- und Zurücktasten und was mich sehr ansprach eine Wippe. Dummerweise war diese Wippe zum Zoomen gedacht. Was ich nur seltenst brauchte. Beschwerden machte eher das seitenweise scrollen durch Browserfenster mit dem rechten Mittelfinger, das mit der Zeit auf die Sehne ging. Aber dank AutoHotkey war die Wippe bald umprogrammiert und so konnte ich sie zum Scrollen benutzen. Das war eine echte Entlastung beim Lesen von Webseiten, denn die rechte Hand musste nicht die ganze Zeit auf der Maus verweilen, sondern das erledigte ich meistens mit der Wippe. Die Wölbung, die großen Tasten, das Unterstellteil und die daraus resultierende Neigung machte die Ergonomic 4000 zu einer guten Tastatur für Vielschreiber.

Eine tolle und ergonomische Sache. Die Maus des Ergonomic 4000 Sets war gut, besser und ergonomischer als jede Standardmaus, aber irgendwie zu klein oder nicht im richtigen Winkel für mich. Das mit dem Baseball-Vergleich las sich zwar gut und einleuchtend, aber ganz beschwerdefrei war ich mit der Maus nicht.

Auch wenn die Tastatur viel Vielschreiber sicher erste Wahl ist, so hat sie doch ein Problem: Sie nimmt viel Platz auf dem Schreibtisch ein und da führt zu einem gewaltigen Problem als Entwickler, der eigentlich ständig zwischen Maus und Tastatur wechselt. Beispiel: hier eine Textbox einfügen, dort auf diese Eigenschaft klicken, dort einen Wert über Tastatur eingeben, nächstes Element anklicken, Wert eingeben etc. Durch die Breite von mehr als 50 cm liegt die Maus noch weiter rechts als sonst, dadurch wird der Arm noch weiter nach rechts angewinkelt und es gibt Probleme mit der Schulter, die dann in einer unnatürlichen Position verweilt. Kurzum: die Probleme mit den Handgelenken waren weg, dafür muckte jetzt die Schulter.

Also musste eine halbwegs ergonomische und weniger breite Tastatur her, am besten etwas ohne Ziffernblock, da konnte ich mir ja zur Not einen externen kaufen. Fündig wurde ich mit dem Microsoft Bluetooth Mobile Keyboard 5000. Von der Tastaturform jetzt nicht State of the Art Ergonomie, aber wenigstens geschwungen und nicht absolut gerade, so dass sich ohne große Fingerverrenkungen tippen ließ. Der kleine Tastenhub war sehr angenehm. Sondertasten fielen leider weg, aber wieder mit Autohotkey wurden Tastenkombinationen programmiert (z. B. Windows+X) die mir das Leben leichter machten. Bild hoch und runter wurden durch Pos1 und End ersetzt, weil ich diese Tasten sehr viel öfter benutzte.

Der größte Vorteil aber: durch Verzicht auf den Nummernblock und das dichtere Design, auf dem sich aber trotzdem noch sehr gut und schnell tippen ließ, lag die Maus viel weiter links, und die Schulter musste nicht verrenkt werden. Vor die Tastatur bastelte ich mir eine weichen Handballenauflage, so dass es hier auch bequem war.

Wie bereits erwähnt, empfand ich die Maus von der Ergonomic 4000 nicht als das gelbe vom Ei, noch dazu sich das Gummi so langsam in Wohlgefallen auflöste. Nach viel Probieren aller möglichen Modelle, die nicht gerade 100 Euro kosteten, kam ich dann auf eine Maus, die mir sehr taugte und die ich direkt aus China für einen bezahlbaren Preis bezog.

Sie ist eine sogenannte Vertical Mouse und die Hand liegt sehr schräg, fast vertikal an. Außerdem ist sie für meine Hände von der Größe sehr passend. Einziges Problem: die verbauten Mikroschalter sind billige Qualität. Nach einem halben Jahr ist die linke Maustaste regelmäßig defekt und klickt doppelt oder gar nicht mehr. Inzwischen hab ich drei defekte Mäuse in der Schublade liegen, aus denen ich mir dann irgendwann mal nach dem Prinzip "aus 2 defekten mache 1 heile" neue Mäuse zusammenlöten könnte.

Aber kommen wir endlich zur Microsoft Sculpt Ergonomic Desktop Tastatur. Als ich über sie im Internet stolperte, war ich gleich begeistert: endlich eine schmale, ergonomische Desktoptastatur ohne Nummernblock, dazu noch ein kleiner Tastenhub, eine Handballenauflage. Der Nummernblock extern wird gleich mitgeliefert. Das Ganze schnurlos. Das hörte sich doch ideal an. Ich bestellte, wegen des geringen Aufpreises gleich die Desktop Version, also das Set mit Mouse, auch wenn mir die Maus auf dem Foto nicht so toll aussah und ich mit der chinesischen Maus ja eigentlich schon meinen Favoriten gefunden hatte. Aber für den geringen Mehrpreis gab ich der Maus einen Chance.

Ich habe die Sculpt jetzt ein halbes Jahr im täglichen Einsatz. Das Fazit vorweg: Die beste Tastatur, die mir bis jetzt unter die Finger gekommen ist. Ich will keine andere mehr. Aber ich wünsche mir, dass noch ein paar Details verbessert werden würden, damit die Tastatur wirklich perfekt wird.

Als ich die Tastatur auspackte, fiel mir sofort das Loch in der Mitte auf. Was und insbesondere wozu sollte das denn gut sein? Da hätte man doch einfach das Plastik durchziehen können, oder noch besser eine Wippe oder Scrollrad anbringen oder zusätzliche Tasten. Außerdem sah das wirklich komisch aus. Einen praktische Nutzen hat es in Kombination mit der Schnurlosigkeit: man kann die Tastur mit einer Hand greifen und mal eben zur Seite stellen. Für die perfekte Tastatur würde ich mir aber hier ein Scrollrad oder Scrollpad wünschen.

Dann ging es ans Batterien einsetzen, die freundlicherweise gleich mitgeliefert wurden. Und da wurde klar: die Tastatur und auch die Maus sind echt hochwertig verarbeitet und da hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Zum Öffnen braucht man keinen Schraubenzieher, sondern man zieht einfach einen magnetischen Deckel ab, legt die Batterien ein und lässt den Deckel wieder einschnappen. Super gemacht. Und der Umstand, dass der Empfangsstick in der Maus, ebenfalls magnetisch, Platz findet, ist ein Detail, das einfach Spaß macht.

Das Tippgefühl ist dank des kurzen Tastenhubes ein gutes. Die Tasten sind groß genug, aber nicht zu groß. Die Breite der Tastatur bleibt unter 40 cm, so dass die Maus nicht zu weit nach rechts wandert, was einem die Schulter dankt. Ich glaube, in der c't habe ich gelesen, dass die Tastenmechanik mit Scherentechnik funktionieren soll, die langlebiger und präziser sein soll als die Technik, die üblicherweise bei Notebook und anderen flachen Tastaturen eingesetzt wird.
Die geteilte Leertaste gefällt mir sehr gut. Die Ergonomic 4000 hat eine große durchgängige und die geht etwas schwer. Dadurch, das es jetzt sozusagen zwei Leertasten gibt, kann man diese mit dem linken oder rechten Daumen bedienen, ohne dass etwas verkantet und ohne besonders Kraft aufwenden zu müssen. Das ist hier viel besser gelöst als auf der 4000er.

Die Tastatur ist aber noch nicht ganz perfekt. Da wäre zum einen, wohl dem deutschen Design geschuldet, die eigentlich viel zu kleine linke Shift-Taste. Während im original amerikanischen Design eine große linke Shifttaste vorhanden ist (siehe oben), ist diese wegen der nötigen > | < Taste sehr schmal ausgefallen, schmaler als jede andere Taste. Ich wüsste aber auch nicht, wie man das groß verbessern könnte. Evtl. könnte man die > | < Taste schmaler machen und die Shift-Taste ein wenig breiter. Komischerweise habe ich aber gar nicht soviele Probleme mit der Shift-Taste. Ich denke nicht darüber nach, aber entweder benutze ich nur die rechte, breite (etwa 3 Normaltasten breit) Shifttaste, oder es liegt daran, dass die linke Shift-Taste am Außenrand liegt und auch gut funktioniert, wenn sie nur halb getroffen wird.

Was auch ein bisschen schade ist, ist etwas, was wie nett gemeint aber dann nicht konsequent durchgezogen anmutet. Die Funktionsebene. Wie schon bei der Ergonmic 4000 gibt es eine blaue Zweitbelegung für die F-Tasten-Reihe. Hier finde ich die Tasten für die Lautstärke und Play/Pause (F1-F4) am wichtigsten. Dummerweise muss man aber einen Schiebeschalter betätigen, um sie benutzen zu können. Wenn man also schnell mal die Musik stumm schalten will, muss man Schiebeschalter nach links, F2 drücken, Schiebeschalter nach rechts benutzen. Das ist mir viel zu umständlich und so lasse ich es lieber sein. Wieder dank eines Autohotkey-Scripts regele ich die Lautstärke mit Windows+Cursor-Tasten bzw. mit der in der Maus eingebauten Windowstaste und dem Scrollrad. Diesen F-Tasten-Fauxpas hätte man sich meinetwegen gerne schenken können, der hat für mich Null Mehrwert. An dessen Stelle hätte man lieber eine blaue Fn-Taste eingebaut, die man zusammen mit der F-Taste drückt, so wie bei der 5000er.



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