2014-11-06: Wenn der Staatsschutz bei dir klingelt...

Weblog vom 2014-11-06: Wenn der Staatsschutz klingelt...
Kategorie:Geocaching
Stichworte:Geocaching, cachen, GC3P5EN, Abwärts, 3333m, Vestenberg, Staatsschutz, Polizei, Kripo, Kriminalpolizei, Kaserne, Katterbach, Ansbach, US Army, Amerikaner

Das man beim Cachen mal mit der Polizei in Berührung kommt, weil z. B. beunruhigte Anwohner sich fragen, was wir als Cacher nachts mit Taschenlampen wohl da machen und aus Übervorsicht gleich mal den Notruf wählen, ja, das kann schon mal vorkommen. Davon, dass wir nur ein Spiel spielen und einer Spur aus Reflektoren folgen, davon haben sie ja keine Ahnung. Und durch reißerisch aufgemachte "Nachrichten" und "Informations"-Sendungen zu den Themen Einbruch, Terrorismus etc. sind eher ängstliche Personen besonders sensibilisiert und rufen lieber einmal mehr als zu wenig die Polizei. Die Polizei wird dann diesen Dingen nachgehen und zu dem Ort des Geschehens hinausfahren, wo sie die Cacher dann fragen, was sie dort machen.

Bei meinen jetzt knapp 9000 gefundenen Caches hatte ich da natürlich auch schon das eine oder andere mal das "Vergnügen", beim Cachen "erwischt" worden zu sein. Zumindestens in Franken waren die Polizisten immer sehr freundlich und professionell. In NRW habe ich da auch schon andere Erfahrungen gemacht, wo sich Polizisten weniger professionell aufgeführt haben, aber das ist eine andere Geschichte. Man erklärt den Polizisten dann halt, dass man geocacht und evtl. noch, was Geocaching überhaupt ist, lässt evtl. noch seine Personalien aufnehmen und die Sache ist gegessen - ist ja auch nichts verbotenes dabei.

Wenn allerdings drei Tage nach einem Cache, an den du dich kaum noch erinnerst, weil du inzwischen schon wieder 30 andere Caches gemacht hast, die Kriminalpolizei, Abteilung Staatsschutz bei dir klingelt, dann fragst du dich erst einmal, was die von dir wollen. So geschehen am Donnerstag bei mir. Nachdem ich mich von der Echtheit der Dienstausweise überzeugt hatte (es soll ja auch Betrüger geben, die versuchen, sich mit gefälschten Dienstausweisen Zutritt zu fremden Wohnungen zu verschaffen und da ich ja nichts ausgefressen hatte, war der Besuch doch eher unerwartet), fragte ich, wie ich denn behilflich sein könnte. Und schon ging die Fragestunde los. Ob ich denn vor 3 Tagen ins Anbach gewesen wäre. Mein Antwort "kann schon sein" befriedigte den Beamten nicht so ganz (aber hey, wenn ich ein paar Caches in der Umgebung abfahre, die noch offen sind, dann fahre ich einfach nur eine vorher aufs Navi hochgeladene Route ab - wie dann der Ort, der Ortsteil oder gar die Straße heißt, interessiert mich dabei nicht und weiß ich Tage später nicht mehr). Ja, ob ich bei der Kaserne in Katterbach bei Ansbach gewesen sei. Und weiter: da hätten die Wachen abends eine verdächtige Person gesichtet, die sich wohl die Kennzeichen der Autos aufschreiben würde, die aus der Kaserne kämen.

Und da dämmerte es mir: ich hatte doch am Montag als letztes den Cache Abwärts - 3333m bis Vestenberg gemacht. Da war es schon dunkel, darum hab ich den mit Stirn- und Taschenlampe gemacht. Und da musste man von einem Schild, dass zur Kaserne zeigte, ein paar Buchstaben zählen. Obwohl ich bestimmt keine 10 Minuten brauchte, um die Fragen zu lösen plus 5 Minuten im Auto, um den Final auszurechnen, war das der amerikanischen Wache wohl schon verdächtig genug, mein Kennzeichen aufzuschreiben und seinen Vorgesetzen Bescheid zu sagen, die dann über den MAD den Staatsschutz bei mir vorbeischickten.

Über den MAD (Militärischen Abschirmdienst) - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lasesen - , weil da einer 250m entfernt an einer öffentlichen Straße mit der Taschenlampe rumleuchtet. Wenn das mal nicht übernervös ist, dann weiß ich auch nicht.

Da bin ich ja heilfroh, dass ich hier in Deutschland lebe und bei mir nur zwei eigentlich ganz freundliche Kriminalbeamte geklingelt haben und nicht in den USA. Da hätte mir wahrscheinlich gleich das FBI oder der CIA die Tür eingetreten und meine Wohnung mit einem SWAT gestürmt. So wie etwa in dem Youtube-Video rechts.

Man muss ja auch nicht gleich bis an die Zähne bewaffnet Wohnungen stürmen und Verdächtige rabiat verhaften. Viel mehr erreicht man, wenn man einfach mal vorbeischaut und freundlich fragt. Denn soviele Terroristen, wie man uns immer glauben machen will, laufen hier doch gar nicht rum.

Den beiden Staatsschützern habe ich dann einen Ausdruck vom Cache gemacht, ihnen die GC-Nummer und die URL von geocaching.com diktiert, damit sie sich noch weiter informieren können und damit waren sie dann auch glücklich. Und außerdem vorgeschlagen, die US Army davon zu unterrichten, dass da ein Cache liegt.

Dem Owner habe ich auch Bescheid gesagt, der daraufhin den Cache lieber erst einmal disabled hat. Recht hat er, man muss ja keinen Ärger provozieren. Ich glaube, der wird schon eine andere Lösung finden, wie man an die Variablen für den Final kommt. Und am abwärts Fahrrad fahren rollen lassen ändert das ja auch nichts.

Ach, am Samstag wollen wir den Quae secreta Planta cum Fontis de Vitalis (NC) Nachtcache machen. Der geht auch nur ein paar hundert Meter an einer US-Kaserne vorbei. Mal schauen, vielleicht gibt es ja dann ein Wiedersehen mit dem Staatsschutz; bei dem Glück, das ich immer habe ;)