Betrug mit Fake LM35 Temperatursensoren

Mit LM35-Temperatur-Sensoren scheine ich kein Glück zu haben. Mein erster, der einem Arduino-Starter-Kit beilag, war schon kein vernünftiger Wert zu entlocken.

Dieser trug die Aufschrift 52RC LM35 DZ, auf der Rückseite ein runder "K"-Stempel.

Oben links ein Krakel, der an das Logo von National Semicondutor Bild erinnert.

Ich heftete den Vorfall damals unter dem Ordner "ein Elektronik-Teil kann schon mal defekt geliefert werden" ab. Wegen dem unter einem Euro Wert wollte ich dem Lieferanten des Kits auch nicht auf die Nerven gehen (und meine eigenen schonen) und ließ die Sache auf sich beruhen. Ich bestellte derweil zwei neue LM35-Temperatursensoren aus China, die mittlerweile angekommen sind.

Nun wollte ich den LM35 im Multi Function Shield ausprobieren, der ja extra einen Port dafür hat. Ein Beispielprogramm dafür war auch schnell gefunden. Höllisch auf die richtige Polung acht gegeben (falsch herum eingesteckt geht der LM35 kaputt) und lieber doppelt überprüft und dann vom Ergebnis enttäuscht gewesen. Die Temperaturanzeige ging nur sinusförmig runter und rauf.


Erstmal natürlich das Neue, das Shield verdächtigt, schuld zu sein, und den LM35 direkt an den Uno angeschlossen, so direkt es ging und ohne jeden Firlefanz.

Das Ergebnis war wieder Blödsinn, nichts, was ich erwartet hätte, also einen Wert zwischen 250 und 260, der für eine Temperatur von ca. 25 bis 26° Celsius gestanden hatte.

Und selbst, wenn ich den Sensor anhauchte oder den Finger drauf legte und damit die Temperatur erhöhte, keine Änderung. Sogar der Einsatz eines Feuerzeugs brachte nichts von dem, was ein Temperatursensor tun sollte. Nun ein stetes Auf und Ab des Wertes.

Also gab ich den Sensor-Wert über den Plotter aus und erhielt eine Kurve: Anstieg auf 85 Einheiten, danach Abfall auf 0, danach wieder Anstieg ... Abfall und so weiter und so fort:
Also ein Schwanken zwischen 0 und 420 mV. Zuerst dachte ich, das Schwanken käme von dem Sensor, doch dann maß ich die Werte des Uno-Boards ganz ohne angeschlossene Sensoren:
Das ergibt ein ähnliches Bild, allerdings im Bereich von 215 bis 260, also 45 Einheiten oder 220 Einheiten. Scheinbar verschiebt der Fake-LM35 die Spannung gegen Null und behält die Spannungsverlaufskurve bei.


Nächste Konsequenz war dann, die vom Uno-Board stammende Kurve auch auszuschließen und den Sensor direkt an 5V und ein Messgerät anzuschließen.

Mit dem Ergebnis, dass die Data-Leitung des Fake-LM35 0 bis 1 mV ausgab. Die Spannung war selbst höher, wenn das Netzgerät aus war.

Etwaige Temperaturmanipulationen blieben komplett folgenlos. Der Sensor blieb stur bei 0V.


Auf gut deutsch: ein funktionsloses Stück Elektronikschrott hat man mir da verkauft. Und da beide Fake-LM35 das selbe Verhalten aufweisen, schließe ich einen Zufall aus.






Die beiden Fake-LM35 sind mit 52A? LM35 DZ und 52AB LM35 DZ gelasert und das mehr schlecht als recht. Hinten haben beide einen leeren runden Stempel. Der erste hat eine unsaubere Oberfläche, als hätte man sie abgeschmirgelt und das Lasering ist wirklich schlecht und teilweise nicht lesbar. Aber auch der zweite Fake-LM35 hat eine schlechte Lasering-Qualität. Wieder der ominöse Krakel, der an das Logo von National Semiconductor erinnert.

Wer weiß...? Vielleicht hat hier jemand 1 Cent-Transistoren oder sonstigen Ausschuss abgeschliffen und umgelabelt und dann als teure LM35-Sensoren verkauft?

Ich kann jedesfalls nur davon abraten zur Zeit diese Sensoren zu kaufen. Wenn man auf den Artikel-Bildern das Fake-N-Logo erkennen kann, besser die Finger von lassen. Lieber ein Sensor von Texas Instruments oder einem anderen Hersteller kaufen.

Das ich bisher 3 Fakes und nicht einen echten LM35-Sensor "ergattert" habe, spricht für einen breit angelegten Fake-Coup mit vielen Tausend, wenn nicht Millionen Fakes.

Habt ihr auch einen Fake bekommen? Dann beim Händler beschweren und Ersatz fordern. Wenn die den Schrott verkaufen und daran verdienen und niemand beschwert sich, weil es geht ja nur einen Euro oder so, dann werden die das weiterhin machen. Die Händler müssen richtig Arbeit mit Fakes haben, damit es sich lohnt, die Großhändler zu prüfen und vielleicht auch mal die Bauteile elektronisch zu prüfen, bevor man sie weiterverkauft. Erst wenn die Händler die Ware an den Großhändler zurückgehen lassen bzw. in Fernost wegen Betrugs anzeigen, kann sich etwas ändern.